en

3.6 Wasserverbrauch reduzieren

Das Thema Wasser umfasst die Wassernutzung und -verschmutzung der Emmi Gruppe sowie in der vorgelagerten Wertschöpfungskette. In der Landwirtschaft sind der Wasserverbrauch und die Wasserverschmutzung für die Herstellung pflanzlicher und tierischer Rohstoffe von zentraler Bedeutung. So wird Wasser in den eigenen Betrieben der Emmi Gruppe als Produktzutat in den Produktionsprozessen sowie zur Sicherstellung von Qualität und Hygiene benötigt. In diesem Zusammenhang sind der Frischwasserverbrauch und das anfallende Abwasser relevant. Unter Wasserverbrauch versteht die Emmi Gruppe aktuell ausschliesslich die Entnahme von Frischwasser.

3.6.1 Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft sowie Chancen und Risiken

Wasserknappheit und extreme Wetterereignisse wie Dürren und Überschwemmungen betreffen zunehmend mehr Regionen und zählen gemäss dem Weltwirtschaftsforum zu den grössten Risiken der Zukunft. Die Lebensmittelproduktion gehört zu den wasserintensivsten Aktivitäten. Gemäss dem WWF ist der landwirtschaftliche Sektor verantwortlich für die Entnahme von rund 70 % allen genutzten Süsswassers (Heinrich Böll Stiftung, 2025).

Auch für die Emmi Gruppe ist Wasser eine essenzielle Ressource, die für Produktionsprozesse sowie für die Gewährleistung von Qualität und Hygiene benötigt wird. Die Abwässer aus den Betrieben können mit organischen oder chemischen Rückständen belastet sein. Sie können aber auch eine stark abweichende Temperatur gegenüber jenen Gewässern aufweisen, in die sie eingebracht werden. Sowohl beim Bezug von Frischwasser als auch bei der Behandlung und Entsorgung von Abwasser können hohe Kosten anfallen.

Eine grosse Bedeutung hat Wasser ausserdem in der vorgelagerten Wertschöpfungskette – der Milchproduktion. In der Landwirtschaft werden durch den Futteranbau und die Nutztierhaltung je nach Standort grosse Mengen an Wasser verbraucht, was je nach Wasserverfügbarkeit in der Region für die Menschen und die Umwelt problematisch sein kann. Eine intensive landwirtschaftliche Produktion kann durch Düngemittel und organische Abfallstoffe aus der Tierhaltung die Qualität von Oberflächen- und Grundwasser negativ beeinträchtigen und so Boden- und Wasserorganismen schädigen. Extreme Trockenheit oder starke Regenfälle beeinflussen zudem die Verfügbarkeit und den Preis von Tierfutter, was sich auf die Milchmenge und den Milchpreis auswirken kann.

Wassermangel beeinflusst die landwirtschaftliche Produktion milchfremder Zutaten, die in den Produkten der Emmi Gruppe verwendet werden, wie beispielsweise von Früchten, Kaffee- und Kakaobohnen oder Nüssen.

Grundsätzlich verändert der Klimawandel die regionale und saisonale Wasserverfügbarkeit. Dies bringt bedeutende Risiken für das Geschäftsmodell der Emmi Gruppe mit sich (siehe Kapitel 3.5 Treibhausgase reduzieren).

3.6.2 Managementansatz und Ziele

Systematisches Umweltmanagement und Zielsetzungen 2027

Die Emmi Gruppe richtet sich bei der Wahl der Zertifizierungsstandards ihrer Managementsysteme nach den Bedürfnissen des Markts, dem erzielten Mehrwert für die verschiedenen Stakeholder sowie den verfügbaren Ressourcen aus. Die Emmi Gruppe steuert das Wassermanagement an allen Produktionsstandorten über ein systematisches Umweltmanagement. Die Produktionsbetriebe Emmi Dessert Italia (Italien), Kaiku (Spanien) und Vitalait (Tunesien) haben ISO-14001-zertifizierte Umweltmanagementsysteme. In der Division Schweiz werden die ISO-14001-Normen künftig als «Best Practice» weitergeführt und nicht mehr (re)zertifiziert.

Die zentralen Kennzahlen des Wassermanagements sind der Frischwasserverbrauch und die Abwassermenge (in der Schweiz seit 2008, global seit 2019 gemessen), deren Entwicklung auf Gruppenstufe vierteljährlich verfolgt wird. Der chemische Sauerstoffbedarf (CSB) zur Bestimmung und Kontrolle der Abwasserqualität sowie weitere Parameter werden aktuell nur lokal gemanagt. Die lokalen Gesellschaften sind dafür verantwortlich, die nationalen und lokalen Gesetze, Richtlinien und Grenzwerte einzuhalten und basierend darauf standortspezifische Massnahmen abzuleiten. Deren Wirksamkeit überprüfen sie lokal über ihre Kennzahlen- und Steuerungsplattformen.

Zielsetzungen der Emmi Gruppe für den Wasserverbrauch bis 2027:

Die jährlichen Wasserverbrauchsdaten für die Nachhaltigkeitsberichterstattung werden lokal erhoben, auf Gruppenstufe konsolidiert sowie extern durch KPMG auditiert (siehe Kapitel 9 Prüfbericht KPMG). Der Steuerungsausschuss Nachhaltigkeit überprüft die Fortschritte und den Stand der Zielerreichung.

Orientierung an branchenüblichen Verbrauchswerten unter Berücksichtigung von Wasserrisikogebieten

Für die Definition ihrer Ziele zur Senkung des Wasserverbrauchs in den eigenen Betrieben orientiert sich die Emmi Gruppe an branchenüblichen Werten. Emmi ist sich bewusst, dass die Auswirkungen ihrer Produktionstätigkeiten auf das Wasser je nach Land sehr unterschiedlich sind. Deshalb hat sie sich für einen Impact-basierten Ansatz entschieden: Um die Wasserrisikogebiete zu identifizieren und die regionalen Prioritäten festzulegen, wendet Emmi auf all ihre Produktionsstandorte den «WWF Water Risk Filter» an (zuletzt 2024). Dieser analysiert anhand von zwölf Kriterien die Wasserrisiken an einem spezifischen Standort. Für die Einstufung der Produktionsbetriebe fokussiert Emmi auf die vier Risikokategorien des physischen Risikos Wasserknappheit, Überschwemmung, Wasserqualität, Zustand der Ökosystemdienstleistungen. Gemäss dieser Analyse befinden sich die Produktionsbetriebe in Chile (Calera de Tango), Kalifornien (Turlock), Mexiko (Mexiko-Stadt), Spanien (Pamplona) und Tunesien (Mahdia) in Wasserrisikogebieten.

Einige Tochtergesellschaften der Emmi Gruppe ausserhalb der Schweiz – sowie deren Milchproduzenten – befinden sich in Wasserrisikogebieten. Der Kriterienkatalog für Milchlieferanten (siehe Kapitel 3.2 Nachhaltige Milchwirtschaft) umfasst deshalb auch Wasserkriterien: Schutz des offenen Wassers und des Grundwassers vor Verschmutzung. Diese Kriterien werden aktuell erhoben, um das effektive Risiko besser abschätzen zu können und in der neuen Strategieperiode gegebenenfalls Massnahmen einzuleiten.

Kriterienkatalog (Methodik nachhaltige Milch)

Globale Ansätze zur Abwasserreduktion

Seit über 15 Jahren setzt die Emmi Gruppe in ihren Schweizer Betrieben auf ein professionelles Wassermanagement, auf dessen Basis bewährte, global multiplizierbare Ansätze entwickelt wurden:

Wasserverbrauch in der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette

Der grösste Teil des Wasser-Fussabdrucks der Emmi Gruppe entsteht beim Anbau der landwirtschaftlichen Rohstoffe. Für den Umgang mit Risikorohstoffen (wie Kaffee, Kakao oder Mandeln) hat Emmi mit externer Unterstützung im Jahr 2020 ein Konzept erarbeitet. Aus Ressourcengründen werden jedoch zurzeit keine Massnahmen zur Reduktion des Wasserverbrauchs entlang der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette umgesetzt.

3.6.3 Entwicklungen im Berichtsjahr

Anwendung der Risikogebiete gemäss «WWF Water Risk Filter»

2024 fand eine Überprüfung der Risikogebiete statt. Es zeigte sich, dass der Produktionsstandort in Pamplona, Spanien, neu als Wasserrisikogebiet eingestuft werden muss, während Sebastopol und Petaluma, zwei Produktionsstandorte in Kalifornien, nicht mehr als Risikogebiete gelten. Die Neueinstufung wurde in der aktuellen Berichtsperiode angewandt. Die Emmi Gruppe hat ihre daraus entstehenden mittel- bis langfristigen Implikationen geprüft.

Wasserintensität gegenüber Basisjahr gestiegen

Die Emmi Gruppe verfolgt das Ziel, den Wasserverbrauch bezogen auf die produzierte, verkaufsfähige Ware (Wasserintensität) bis 2027 in Nicht‑Risikogebieten um 15 % und in Risikogebieten um 50 % zu senken. Aktuell liegt die Wasserintensität über dem Basisjahr 2019: in Nicht‑Risikogebieten um 1 % und in Risikogebieten um 14 %. Die Gründe sind unter anderem Verschiebungen im Produktportfolio sowie steigende Qualitäts- und Reinigungsanforderungen gegenüber der Ausgangslage. Vor diesem Hintergrund stellt die Erreichung der Ziele bis 2027 eine Herausforderung dar.

Gegenüber dem Vorjahr sank die Wasserintensitätsrate insgesamt um 2 % und in Risikogebieten um 9 % (u. a. aufgrund steigenden Volumens). Trotz steigender Produktionsmengen konnte die Wassereffizienz im Vergleich zum Vorjahr verbessert werden.

Die Emmi Gruppe misst den Fortschritt mit folgenden Leistungskennzahlen:

Wasserverbrauch 1) 2) 3)

 

 

 

2025 a)

2024

2023 b)

Basisjahr 2019 c)

Total

m 3

 

 

7’494’871

7’256’868

7’182’686

5’883’917

Intensitätsrate pro t Produkt 4)

m 3 / t Produkt

 

 

5.26

5.36

5.38

5.10

 

 

 

 

 

 

 

 

Wasserverbrauch in Risikogebieten 1) 2) 3) 5)

 

Ziel 2027

Diff. zu Basisjahr

2025

2024

2023

Basisjahr 2019

Total

m 3

 

 

1’187’596

1’113’991

1’052’611

944’399

Intensitätsrate pro t Produkt 4) in Risikogebieten

m 3 / t Produkt

-50 %

14 %

4.77

5.23

4.67

4.17

 

 

 

 

 

 

 

 

Wasserverbrauch in Nicht- Risikogebieten 1) 2) 3)

 

Ziel 2027

Diff. zu Basisjahr

2025 a)

2024

2023 b)

Basisjahr 2019 c)

Total

m 3

 

 

6’307’276

6’142’877

6’130’074

4’939’518

Intensitätsrate pro t Produkt 4) in Nicht-Risikogebieten

m 3 / t Produkt

-15 %

1 %

5.37

5.38

5.52

5.32

a) Exklusive Mademoiselle Desserts Gruppe.

b) Exklusive Emmi Dessert USA.

c) Inklusive Gläserne Molkerei (2023 veräussert).

1) Die Definition von «Wasserverbrauch» der Emmi Gruppe entspricht der Definition von «Wasserentnahme» gemäss GRI-Standards 2021 GRI 303.

2) Wasser bezogen von der jeweiligen staatlichen Wasserversorgung oder aus eigenen Brunnen.

3) 1’000 m3 = 1 ML.

4) Produkt = verkaufsfähige Ware.

5) Wassergefährdete Gebiete mit hohem Wasserstress seit 2025: Mahdia (Tunesien), Turlock (USA), Pamplona (Spanien), Mexiko-Stadt (Mexiko) und Calera de Tango (Chile). Bis und einschliesslich 2024 wassergefährdete Gebiete mit hohem Wasserstress: Mahdia (TN), Turlock (US), Petaluma (US), Sebastopol (US), Mexiko-Stadt (MX) und Calera de Tango (CL).

Geprüft durch KPMG.

Methodik der nichtfinanziellen Kennzahlen 2025

3.6.4 Ausblick

Die bestehenden lokalen Massnahmen werden im Rahmen des allgemeinen Umweltmanagements weiterverfolgt. Derzeit sind keine gruppenübergreifenden, strategischen Initiativen in Planung oder Umsetzung.