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3.2 Nachhaltige Milchwirtschaft

Milch ist der wichtigste Rohstoff für die Emmi Gruppe. Unter nachhaltiger Milchwirtschaft versteht die Emmi Gruppe alle Belange rund um die Menschen, die Tiere, die Umwelt und die Wirtschaft im Kontext der Milchproduktion. Die Milchproduktion ist in ländlichen Regionen ein bedeutender Wirtschaftsfaktor und hat bedeutende Auswirkungen auf das Tierwohl und die Umwelt.

3.2.1 Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft sowie Chancen und Risiken

Das Naturprodukt Milch ist ein zentraler Teil eines nachhaltigen Ernährungssystems (Agroscope, Bundesamt für Landwirtschaft, 2017). Natürlich und ausgezeichnet durch eine hohe Nährstoffdichte und einen hohen ernährungsphysiologischen Wert trägt die Milch zu einer gesunden Ernährung bei.

Nachhaltige Milchproduktion bedeutet für die Emmi Gruppe eine standort- und tiergerechte, klimafreundliche und ressourceneffiziente Produktion. Standortgerecht ist die Produktion insbesondere, wenn die Futtermittel auf der Nutzung des Grünlands und auf Nebenprodukten aus der Lebensmittelproduktion basiert. Damit kann die Nahrungsmittel- und Flächenkonkurrenz minimiert werden. Nahrungsmittelkonkurrenz tritt auf, wenn bei Tieren Futtermittel zum Einsatz kommen, die für die menschliche Ernährung geeignet wären. Flächenkonkurrenz entsteht, wenn die Futtermittel von Flächen stammen, auf denen Nahrungsmittel angebaut werden könnten. Dies ist insbesondere in Gebieten mit Nahrungsmittelknappheit kritisch und mit Reputationsrisiken für die Emmi Gruppe verbunden. Unter Ressourceneffizienz versteht die Emmi Gruppe die effiziente Nutzung der natürlichen Ressourcen (Boden/Fläche, Wasser, Nährstoffe und Energie). Mit weniger Input soll gleich viel oder sogar mehr Output erzielt werden. Gleichzeitig soll die Boden- und Wasserqualität gewahrt sowie die Biodiversität erhalten werden. Eine klimafreundliche Produktion bezieht sich auf die Reduktion der Treibhausgase.

Zwei Umweltthemen prägen aktuell die Kritik an der Milchwirtschaft: Treibhausgasemissionen und Tierwohl. Als Milchverarbeiterin hat die Emmi Gruppe nur indirekten Einfluss durch Vorgaben an ihre Milchlieferanten und trägt gleichzeitig bedeutende Reputationsrisiken bei etwaigen Verfehlungen.

Gesellschaftlich sorgt die Milchwirtschaft in ländlichen Gebieten für Ein- und Auskommen vieler Menschen. Für die Emmi Gruppe sind zentrale soziale Aspekte einer nachhaltigen Milchwirtschaft die Schaffung sicherer Arbeitsplätze in ländlichen Regionen, ein überlebenssicherndes Einkommen, das mit der Arbeit generiert werden kann, und der Erhalt intakter Familienstrukturen. Nur so bleibt der landwirtschaftliche Betriebszweig attraktiv. Ein kostendeckender Milchpreis spielt dabei eine zentrale Rolle. Wenn dies langfristig nicht gegeben ist, besteht das Risiko, dass die Milchproduktion zurückgeht.

Die Aktienmehrheit des Unternehmens befindet sich in den Händen der Genossenschaft Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP). Aufgrund dieser Konstellation werden seitens Landwirtschaft, Politik und Öffentlichkeit an die Emmi Gruppe hinsichtlich eines verantwortungsvollen Gebarens gegenüber ihren Milchlieferanten hohe Erwartungen gestellt. Die Reputation der Emmi Gruppe als Gesamtunternehmen ist in bedeutendem Masse von ihrem Verhalten als wichtige Akteurin der Schweizer Milchwirtschaft abhängig.

3.2.2 Managementansatz und Ziele

Als Milchverarbeiterin ohne eigene Milchproduktion – mit Ausnahme einer kleinen Ziegenfarm in Kalifornien – beeinflusst die Emmi Gruppe mit der Wahl ihrer Lieferanten die durch die Milchwirtschaft entstehenden Auswirkungen auf die Umwelt und Gesellschaft und steuert ihre Chancen und Risiken. Indem die Emmi Gruppe die Etablierung nachhaltiger Standards und die Verarbeitung entsprechend hergestellter Milch in allen Regionen, in denen sie tätig ist, vorantreibt, trägt sie dazu bei, dass die lokalen Produktionssysteme schrittweise nachhaltiger werden. Durch gemeinsame Projekte mit Lieferanten, Kunden, Verbänden und Politik treibt die Emmi Gruppe auch die Reduktion von Scope-3-Treibhausgasemissionen (THG-Emissionen) voran.

Von der Emmi Gruppe verarbeitete Milchmengen weltweit (2025)

Gruppenweit Verantwortung tragen

Ein Fokusteam – bestehend aus Milcheinkäuferinnen und Milcheinkäufern sowie Nachhaltigkeits- und Landwirtschaftsspezialistinnen und -spezialisten – ist für die Umsetzung der Strategie der Emmi Gruppe für nachhaltige Milch verantwortlich und koordiniert die Aktivitäten auf Gruppenstufe. Gruppenweit tauscht sich das Fokusteam dreimal pro Jahr aus; Beschaffungs- und Nachhaltigkeitsthemen gehen damit zunehmend Hand in Hand. Der Steuerungsausschuss Nachhaltigkeit überprüft den Fortschritt und den Stand der Zielerreichung regelmässig.

Schrittweise hin zu einer nachhaltigen Milchproduktion

Bereits 2016 hat das Unternehmen das Ziel kommuniziert, in der Schweiz künftig nur noch Milch nach einem definierten Nachhaltigkeitsstandard zu verarbeiten. Diese Absichtserklärung löste einen mehrjährigen Prozess in der Gesamtbranche aus und führte im September 2019 zur Schaffung des Produktionsstandards «Nachhaltige Schweizer Milch». Seit 1. Januar 2024 sind alle Schweizer Milchbäuerinnen und Milchbauern verpflichtet, diesen Branchenstandard einzuhalten.

Seit 2024: 100 % nachhaltige Milch in der Schweiz

In der Schweiz wird seit Anfang 2024 nur noch Milch verarbeitet, die nach dem Branchenstandard «Nachhaltige Schweizer Milch» produziert wird. Zehn Grundanforderungen des Standards, die sich auf Tierwohl, Fütterung und Biodiversität fokussieren, sind für alle Schweizer Milchbäuerinnen und Milchbauern verpflichtend. Aus den Zusatzanforderungen, die soziale Kriterien und zusätzliche Tierwohlanforderungen umfassen, wie beispielsweise die soziale Absicherung der im Betrieb beschäftigten Familienmitglieder, die Ausbildung von Lernenden oder die Behandlung der Tiere mit komplementärmedizinischen Methoden, müssen die Milchbäuerinnen und Milchbauern mindestens zwei frei wählbare Vorgaben erfüllen.

Die Emmi Gruppe ist sich bewusst, dass sie insbesondere in ihrem Heimmarkt Schweiz eine Mitverantwortung für die Milchproduzenten trägt. Der Tatsache, dass die Milch in der Schweiz in der Regel in Familienbetrieben produziert wird, ist Rechnung zu tragen. Dies beispielsweise durch transparente, langfristige und planbare Partnerschaften. Diese beinhalten detaillierte Milchabrechnungen, pünktliche Milchgeldzahlungen, sowie Planungs- und Liefersicherheit – und nicht zuletzt einen für beide Seiten tragbaren und marktfähigen Milchpreis. Als Mitglied der Branchenorganisation Milch – einer Plattform der Schweizer Milchwirtschaft – arbeitet Emmi engagiert an der Weiterentwicklung der Schweizer Milchwirtschaft mit und setzt die in diesem Gremium gefällten Entscheide – beispielsweise die vereinbarten Richtpreise – konsequent um.

Weiterentwicklung des Schweizer Branchenstandards geplant

Die Branchenorganisation Milch hat im Frühjahr 2024 entschieden, den Branchenstandard in einem ersten Schritt im Bereich Klima weiterzuentwickeln. In diesem Kontext wird ein einheitlicher Klimarechner für die Branche entwickelt. Als Grundlage dient der Klimarechner «KLIR», der von der Berner Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) entwickelt worden und seit drei Jahren im Ressourcenprojekt KlimaStaR Milch im Einsatz ist. Dieser wurde im Berichtsjahr vereinfacht und insofern verbessert, als er in der Breite angewendet werden kann. Der neue Klimarechner soll im ersten Quartal 2026 eingeführt werden, um auf Basis der dann vollständig vorhandenen Input-Daten für das Jahr 2025 die Emissionen zu berechnen.

Der Klimarechner quantifiziert die betriebseigenen THG-Emissionen pro kg Milch und zeigt den Milchproduzenten auf, welche Tätigkeiten Emissionen verursachen. Die Ergebnisse ermöglichen einen Vergleich mit ähnlichen Betrieben und bilden die Grundlage für massgeschneiderte Massnahmen zur Reduzierung der THG-Emissionen.

Emmi unterstützt die schrittweise Weiterentwicklung des Schweizer Branchenstandards auf ganzer Linie. Sie ist überzeugt, dass damit zum einen ein entscheidender Wettbewerbsvorteil für Schweizer Milch geschaffen und zum anderen die Zukunft der Branche langfristig gesichert wird. Neben dem breit angelegten Branchenstandard leisten in der Schweiz verschiedene kleinere Organisationen und Akteure einen Beitrag zu einer nachhaltigen Milchwirtschaft. Das Unternehmen unterstützt deshalb mit ihren Mitgliedschaften die Organisationen Kometian und AgroCleanTech: Kometian berät Landwirtinnen und Landwirte rund um die komplementäre Tiermedizin. AgroCleanTech vermittelt Wissen rund um den Klimaschutz in der Landwirtschaft.

Klimatisch der Schweizer Fleisch- und Milchwirtschaft

Um die Herausforderung der Finanzierung der Massnahmen und Anrechenbarkeit der reduzierten THG-Emissionen an die verschiedenen Akteure innerhalb der Branchen zu lösen und die Umsetzung von Emissionsreduktionsmassnahmen zu beschleunigen, wurde im Jahr 2023 der Klimatisch der Schweizer Fleisch- und Milchwirtschaft ins Leben gerufen. Am Klimatisch setzen sich alle Beteiligten der gesamten Wertschöpfungskette zusammen. Nach der Prüfung verschiedener Ansätze für die oben genannte Finanzierung der Massnahmen und Anrechenbarkeit der Klimaschutzleistungen innerhalb der Branche, wurde im Jahr 2024 entschieden, dass die Umsetzung der Massnahmen ausserhalb des Gremiums im Unternehmenskontext geschehen soll. Der Klimatisch fokussiert sich seither in erster Linie auf den gegenseitigen Erfahrungsaustausch und findet dreimal jährlich im Rahmen eines physischen Meetings statt.

Reduktion der Scope-3-THG-Emissionen in der Schweiz: KlimaStaR Milch

Mit dem «Ressourcenprojekt zur Förderung von Klimaschutz, Standortangepasstheit und Ressourceneffizienz in der Milchproduktion», KlimaStaR Milch, werden die Milchproduzenten in ihren Anstrengungen zur Reduktion von THG-Emissionen und zu einer standortangepassten Ausrichtung ihrer Milchviehbetriebe gestärkt.

Gemeinsam mit den Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP), Nestlé und aaremilch arbeitet das Unternehmen seit 2022 daran, auf 222 Betrieben die THG-Emissionen sowie die Flächen- und Nahrungsmittelkonkurrenz zwischen Milchkühen und Menschen zu reduzieren. Die THG-Emissionen werden mithilfe des bestehenden Klimarechners «KLIR» erhoben. Gemeinsam definierte Indikatoren werden genutzt, um die direkte Nahrungsmittelkonkurrenz und die Konkurrenz um Anbauflächen in der Schweizer Milchwirtschaft zu berechnen und die Ressourceneffizienz zu optimieren.

85 Pilotbetriebe aus dem KlimaStaR Milch-Projekt gehen noch einen Schritt weiter: Mithilfe eines ganzheitlichen Modells (RISE-Nachhaltigkeitsanalyse) werden zehn verschiedene Themen analysiert, welche die Nachhaltigkeit wie auch die Effizienz eines Hofs beeinflussen. Dazu zählen neben Bodennutzung, Wassermanagement und Biodiversität auch Wirtschaftlichkeit, Arbeitsbedingungen und Lebensqualität.

Die Initiative wird vom Bundesamt für Landwirtschaft im Rahmen des Ressourcenprogramms unterstützt (LwG Art. 77a) und von der HAFL als wissenschaftliche Partnerin begleitet.

Bis 2027 (Basis: Mittelwert der Jahre 2019 bis 2021) sollen die am Projekt KlimaStaR Milch teilnehmenden Milchwirtschaftsbetriebe folgende Ziele zu THG-Emissionen, Nahrungsmittel- und Flächenkonkurrenz erreichen:

Reduktion der Scope-3-THG-Emissionen in Chile und Brasilien

Auch in Chile und Brasilien verfolgt die Emmi Gruppe einen praxisorientierten Managementansatz zur Reduktion ihrer Scope-3-Treibhausgasemissionen in der Milchproduktion. Im Zentrum steht die Zusammenarbeit mit lokalen Milchlieferanten, um durch Datenerhebung, Analyse und gezielte Massnahmen die Klimawirkung der landwirtschaftlichen Prozesse auch in Regionen mit unterschiedlichen Ausgangsbedingungen messbar zu senken.

Zunächst werden auf ausgewählten Pilotbetrieben die Emissionen systematisch erfasst und die wichtigsten Hebel zur Reduktion identifiziert – etwa im Bereich Herdenmanagement, Futtereffizienz oder nachhaltiger Futtermittel. Darauf aufbauend werden betriebsspezifische Reduktionspläne entwickelt und erste Massnahmen umgesetzt. Ziel ist es, erfolgreiche Ansätze zu skalieren und mittelfristig auf grössere Lieferantenpools auszuweiten.

Eigener Kriterienkatalog für ausserhalb der Schweiz eingekaufte Milch

Bis Ende 2027 möchte die Emmi Gruppe über die Schweiz hinaus nur noch Milch verarbeiten, die nach einem im lokalen Vergleich überdurchschnittlichen Nachhaltigkeitsstandard produziert wird. Dabei setzt die Emmi Gruppe aufgrund ihrer Nischentätigkeit in vielen Ländern auf Engagements in der Branche und individuelle Vereinbarungen mit den Milchlieferanten.

Die Grundlage für solche Vereinbarungen hat die Emmi Gruppe in den letzten fünf Jahren erarbeitet. Basierend auf einem mit der HAFL entwickelten Kriterienkatalog hat sie acht Aspekte von nachhaltiger Milch bewertet: Strategie, Arbeit und Einkommen, Milchqualität, Tierwohl, Biodiversität, Energie und Materialien, Klima und Umwelt. Folgende Kriterien gehören beispielsweise zur Kategorie Tierwohl:

Für Lieferanten von Ziegen- oder Schafmilch enthält der Katalog zusätzliche spezifische Kriterien. Daneben bestehen mit den Kategorien «Strategie» und «Arbeit und Einkommen» folgende Kriterien zur Analyse der sozialen Nachhaltigkeit der Milchlieferanten der Emmi Gruppe ausserhalb der Schweiz:

Unter dem Ziel, dass bis 2027 ausserhalb der Schweiz von der Emmi Gruppe verarbeitete Milch nach im lokalen Vergleich überdurchschnittlichen Nachhaltigkeitsstandards produziert wird, versteht das Unternehmen Milch, die in mindestens einem Nachhaltigkeitsaspekt über konventionelle Milch hinausgeht. In einigen Ländern oder Regionen trifft dies bereits heute auf die gesamte von den Tochtergesellschaften verarbeitete Milchmenge zu (Österreich, Niederlande, Kalifornien). In anderen Ländern oder Regionen erfüllt aktuell erst ein Teil der verarbeiteten Milchmenge (Chile, Wisconsin) diese Vorgabe.

3.2.3 Entwicklungen im Berichtsjahr

Zertifizierung «Bienestar Animal» und Pilotprojekt zur Erhebung der THG-Emissionen in Chile

Quillayes Surlat in Chile hat sich zum Ziel gesetzt, dass alle Lieferanten mit dem Tierwohl-Label «Bienestar Animal» zertifiziert werden. Die vom IRTA (Institute of Agrifood Research and Technology) entwickelte und von AENOR zertifizierte Norm, legt die Anforderungen fest, die Tierhaltungsbetriebe in Bezug auf den Tierschutz erfüllen müssen. Innerhalb dieser vier Aspekte werden zwölf verschiedene Tierschutzkriterien festgelegt. Die Höfe werden jährlich gemäss dieser Kriterien auditiert. Im Berichtsjahr wurden 11 neue Betriebe zertifiziert. Sieben Betriebe wurden ausgeschlossen, da sie keine Lieferanten mehr sind oder die Zertifizierung vorübergehend ausgesetzt wurde. Insgesamt sind es Ende 2025 84 Betriebe, die 94 % des Milchvolumens von Quillayes Surlat abdecken. Quillayes Surlat ist das erste südamerikanische Unternehmen, das diese Tierwohl-Label-zertifizierte Milch einkauft. Weitere Betriebe sollen im nächsten Jahr zertifiziert werden.

Im Berichtsjahr wurde des Weiteren ein Pilotprojekt mit 13 Höfen initiiert, um die THG-Emissionen zu erheben. Diese 13 Höfe decken 27 % des Milchvolumens von Quillayes Surlat ab. Die Datenerhebung konnte erfolgreich abgeschlossen werden. Dabei wurden die wichtigsten Hebel zur Emissionsreduktion identifiziert: Optimierung der Futtermittel und -effizienz, Herdenmanagement und der Einsatz von nachhaltigem Soja. Pro Betrieb wurden Reduktionspläne erarbeitet und mit der Umsetzung von Reduktionsmassnahmen gestartet.

Pilotprojekt zur Reduktion von THG-Emissionen in Brasilien

Im Sommer 2023 hat Laticínios Porto Alegre mit 18 Höfen ein Pilotprojekt gestartet, um die THG-Emissionen auf den Milchbetrieben zu messen und basierend darauf Massnahmen zur Emissionsminderung festzulegen. Die Datenerhebung für die Baseline wurde im Jahr 2024 abgeschlossen. Als wichtigste Hebel für die Emissionsreduktion wurden erkannt: Herdenmanagement, Futtereffizienz und Produktivitätssteigerung. Darauf aufbauend wurde im Berichtsjahr die Datenerhebung der THG-Emissionen auf 131 Höfe ausgeweitet.

Die Emmi Gruppe misst den Fortschritt mit folgenden Leistungskennzahlen:

Gruppenweit verarbeitete Milchmenge

 

2025

2024

2023

 

Kuhmilch

t

1’951’269

1’893’542 1)

1’815’099 1)

 

Ziegenmilch

t

110’578

98’889 1)

99’176

 

Schafmilch

t

2’694

2’753 1)

2’745

 

Total

t

2’064’542

1’995’184 1)

1’917’020 1)

 

 

 

 

 

 

 

Gruppenweit verarbeitete Bio-Milchmenge

 

2025

2024

2023

 

Bio-Kuhmilch

t

105’573

104’964

105’742

 

Bio-Ziegenmilch

t

5’641

6’444 1)

6’632

 

Bio-Schafmilch

t

2’694

2’753 1)

2’745

 

Total

t

113’908

114’161 1)

115’119

 

 

 

 

 

 

 

Anteil verarbeitete «Nachhaltige Schweizer Milch»

Ziel 2027

2025

2024

2023

Basisjahr 2019

Anteil Milchvolumen

100 %

100 %

100 %

99 %

87 %

Anteil Milchlieferanten

100 %

100 %

100 %

99 %

75 %

 

 

 

 

 

 

Anteil verarbeitete Labelmilch international

 

2025

2024

2023

 

Anteil Labelmilch international

 

43 %

39 %

n/a

 

1) Richtigstellung aufgrund korrigierter Daten- und Berechnungsbasis.

Methodik der nichtfinanziellen Kennzahlen 2025

«Fondation Vitalait» unterstützt Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in Tunesien

«Fondation Vitalait» ist eine Stiftung der Emmi Tochtergesellschaft mit Sitz in Mahdia, Tunesien. Sie unterstützt kleine Milchbäuerinnen und Milchbauern lokal bei der Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen und Einkommen durch praktische Initiativen in den Bereichen Fütterung, Tierwohl und Ausbildung. Insgesamt wurden bereits über 1’000 Landwirtinnen und Landwirte von der Stiftung unterstützt. Im Jahr 2025 sind 65 neue dazugekommen.

Die Ausbildung ist eine zentrale Säule der Stiftungsarbeit und folgt einem partizipativen Ansatz nach dem Modell der «Schulung auf dem Feld» (Farm Field School), das kollektives Lernen fördert. Diese Schulungen knüpfen an die Referenzerhebung an, die 2023 gemeinsam mit der Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) durchgeführt wurde. Sie zielt darauf ab, technische Kompetenzen zu stärken, gute Praktiken in der Tierhaltung zu fördern und sowohl die Produktivität der Milchbetriebe als auch die Qualität der Milch zu verbessern. Im Jahr 2025 haben insgesamt 180 Landwirtinnen und Landwirte an den Schulungen teilgenommen, davon 115 spezifisch zum Thema Tierwohl. Zudem begleitete die Stiftung eine Gruppe von 73 Landwirtinnen und -wirten im Rahmen eines Programms zur Verbesserung der Rohmilchqualität und Arbeitsbedingungen. In diesem Zusammenhang wurden 17 Ställe in Laufställe umgebaut, acht Schattierungsanlagen sowie sechs automatische Tränken installiert. Diese Massnahmen tragen sowohl zum Wohlbefinden der Tiere als auch zu einer höheren Arbeitseffizienz bei.

Engagement der Lieferanten in Spanien in den Bereichen Treibhausgasemissionen und Biodiversität

Die Genossenschaft (Kaiku S. Coop.), bei der Kaiku in Spanien circa 80 % der Milchmenge beschafft, hat sich im Berichtsjahr einer nationalen Allianz aus acht Milchgenossenschaften angeschlossen. Die Allianz hat sich zum Ziel gesetzt, die THG-Emissionen bis 2030 um 30 % zu reduzieren. In Zusammenarbeit mit Neiker (Baskisches Institut für Agrarforschung) stellt die Genossenschaft derzeit die Methodik zur Berechnung des THG-Fussabdrucks auf den Höfen fertig. Im Jahr 2025 startete ein Pilotprojekt auf 13 Betrieben. Diese Arbeit ist Teil des Projekts «NutriBerri», das die Messung des Reduktionspotenzials der Methanemissionen durch die Verwendung einer antimethanogenen Komponente umfasst. Des Weiteren ist die Genossenschaft Partner des dreijährigen Dairital-Projekts. Unter der Leitung des Technologiezentrums Leartiker und durch die Teilnahme von Organisationen aus Frankreich, Portugal und Spanien werden im Projekt Massnahmen zur Verbesserung der Nachhaltigkeit in realen landwirtschaftlichen Betrieben getestet.

Die Genossenschaft «Ramaders», von der Kaiku die restlichen 20 % ihrer Milchmenge einkauft, hat sich zum Ziel gesetzt, die THG-Emissionen bis 2030 um 35 % zu reduzieren sowie die Biodiversität durch festgelegte Biodiversitätsindikatoren in landwirtschaftlichen Betrieben (Pflanzenarten, Lebensraumqualität, Vorhandensein von Bestäubern) um 15 % gegenüber den Basiswerten von 2023 zu verbessern. Die Massnahmen zur Reduzierung der THG-Emissionen umfassen eine optimierte Fütterung, natürliche Futtermittelzusätze, Güllemanagement, Energie- und Herdenmanagement sowie einen Ausbau der Digitalisierung und des Monitorings. Im Bereich Biodiversität liegt der Fokus der Massnahmen auf der Fruchtfolge sowie dem Einsatz von Mischkulturen, der Erhaltung von Hecken und Blumenstreifen, der Vermeidung von Pestiziden, Rotationsweiden und die Zusammenarbeit mit lokalen Umweltorganisationen zur Einrichtung von Demonstrationsflächen und Monitoring.

Aspekte im Kriterienkatalog

Die Emmi Gruppengesellschaften Quillayes Surlat (Chile), Kaiku (Spanien), Laticínios Porto Alegre (Brasilien) und Vitalait (Tunesien) haben den Emmi eigenen Kriterienkatalog mit ihren Milchlieferanten angewendet. Diese decken gemeinsam rund 84 % (2024: 84 %) des verarbeiteten Milchvolumens von Emmi Gruppengesellschaften ausserhalb der Schweiz ab. Kaiku und Quillayes Surlat haben basierend auf den Resultaten der Erstanwendung des Kriterienkatalogs die Ziele für 2027 definiert. Quillayes Surlat fokussiert in der Zusammenarbeit mit den Milchlieferanten auf die Bereiche nachhaltiges Soja, Tierwohl und THG-Emissionen, während sich Kaiku mit ihren Milchlieferanten Ziele im Bereich Biodiversität und THG-Emissionen gesetzt hat. Bei Vitalait wird der Kriterienkatalog zur Erfassung der aktuellen Situation zwar jährlich angewendet, es wurden jedoch keine Zielsetzungen zur Verbesserung in den einzelnen Kategorien festgelegt. Laticínios Porto Alegre arbeitet an der Reduktion der THG-Emissionen auf den Betrieben sowie an Lösungen für nachhaltiges Soja.

Erhebung der internationalen Baseline

Zur Messung des Ziels «100 % der Milchlieferanten der Emmi Gruppe weltweit produzieren nach lokal überdurchschnittlichen Standards» ausserhalb der Schweiz trägt die Bewertung lokaler Labels bei. Die Emmi Gruppe bewertet mit Unterstützung der HAFL die internationalen Labels mithilfe des Kriterienkatalogs in punkto Nachhaltigkeit und beurteilt, ob die verschiedenen Labels ihren Zielansprüchen genügen. Nach aktuellen Erkenntnissen sind 43 % der von der Emmi Gruppe ausserhalb der Schweiz eingekauften Milch mit einem Label gekennzeichnet, das sich lokal von konventioneller Milch differenziert.

In den internationalen Gesellschaften mit hohem Milchvolumen Laticínios Porto Alegre (Brasilien), Quillayes Surlat (Chile), Kaiku (Spanien) und Vitalait (Tunesien) wird hingegen der Kriterienkatalog direkt mit ausgewählten Milchlieferanten angewendet. Hier möchte die Emmi Gruppe aufgrund des hohen Milchvolumens, eine noch fundiertere Basis schaffen, um klare Ziele zu setzen und zu verfolgen.

Projekt KlimaStaR Milch

Die Auswertung der Ausgangslage der Jahre 2019 bis 2021 zeigte, dass die THG-Emissionen auf den 222 Schweizer KlimaStaR-Betrieben mit 0.857 kg CO2-eq/kg Milch um fast die Hälfte tiefer ausfallen, als basierend auf Sekundärdaten (1.45 kg CO2-eq/kg Milch) angenommen. Auch fallen sie deutlich tiefer aus als die Sekundärdaten im internationalen Vergleich. Dies bestätigte die Annahme, dass die optimierte Fütterung (zum Beispiel noch mehr graslandbasierte Tierfütterung sowie der Einsatz hochwertiger Futtermittel oder Futterzusätze), das Herdenmanagement sowie die Hofdüngerlagerung die drei entscheidenden Faktoren zur Reduktion des Klima-Fussabdrucks sind. Mit Massnahmen in diesen Bereichen konnten die Betriebe ihre THG-Emissionen in den ersten drei Projektjahren bereits um 5.9 % pro Kilogramm (kg) Milch auf 0.806 kg CO2-eq/kg Milch (Stand 31.03.2025) reduzieren. Trotz des geringeren Einsatzes von Kraftfutter pro Kuh (-8.3 % ggü. Ausgangslage) blieb die Jahresmilchleistung unverändert. Darüber hinaus trägt die Nutzung erneuerbarer Energien, beispielsweise von Biogasanlagen oder Solarenergie, zur Emissionsreduktion bei. Das Ziel, die Nahrungsmittelkonkurrenz um 20 % zu reduzieren, wurde bereits in den ersten drei Projektjahren von den teilnehmenden Betrieben deutlich übertroffen (-20.8 % ggü. Ausgangslage). Das Ziel, die Flächenkonkurrenz um 20 % zu reduzieren, ist nach der Hälfte der Projektdauer zu mehr als der Hälfte erfüllt (-13.4 % ggü. Ausgangslage).

Detailhandel, Landwirtschaft und Verarbeitung verabschieden Absichtserklärung für klimafreundliche Landwirtschaft in der Schweiz

Die Mitglieder der IG Detailhandel Schweiz (Coop, Denner und Migros) haben im Berichtsjahr den runden Tisch «Klimabündnis Lebensmittel», in dem sich die Emmi Schweiz AG aktiv einbringt, lanciert. Im Juli 2025 wurde eine gemeinsame Absichtserklärung mit fünf zentralen Punkten verabschiedet. In drei breit aufgestellten Arbeitsgruppen werden folgende Ziele verfolgt:

  1. Emissionsfaktoren: Einigung auf einheitlich berechnete SBTi-konforme Emissionsfaktoren für alle relevanten Rohstoffe.
  2. Standardisierter Datenaustausch: Einigung auf einen standardisierten Datenaustausch über eine neutrale Plattform entlang der Wertschöpfungskette.
  3. Finanzierungsmodell: Erarbeitung eines Finanzierungsmodells, das die Herkunft und Verwendung der Mittel sicherstellt und Marktverzerrungen verhindert.

3.2.4 Ausblick

Die Emmi Gruppe will bis Ende 2027 über die Schweiz hinaus nur noch Milch verarbeiten, die nach einem im lokalen Vergleich überdurchschnittlichen Nachhaltigkeitsstandard produziert wird. Im Rahmen der globalen Erhebung wurde jedoch festgestellt, dass die Zielerreichung schwer messbar ist, weil sich die Erhebung des lokalen Durchschnitts international als schwierig erweist. Die Emmi Gruppe wird dies künftig vertieft prüfen, um eine geschärfte Methodik sowie Zielformulierung (spätestens für die neue Strategieperiode ab 2028) zu erarbeiten.

In Chile will die Emmi Gruppe 2026 die Anzahl Milchlieferanten, die mit dem Tierwohl-Label «Bienestar Animal» zertifiziert sind, weiter erhöhen. Mit den bereits zertifizierten Betrieben werden die jährlichen Audits weitergeführt. Das Pilotprojekt zur Erhebung und Reduzierung der THG-Emissionen soll auf weitere Höfe ausgerollt werden, mit dem Ziel 40 %, des Milchvolumens abzudecken. Mit der ersten Pilotgruppe von 13 Höfen sollen die erarbeiteten Massnahmen zur Reduktion der THG-Emissionen umgesetzt werden. Des Weiteren liegt der Fokus auf der Ausarbeitung von Lösungen für nachhaltiges Soja (siehe Kapitel 3.9 Verantwortungsvolle Beschaffung).

Auch in Brasilien legt die Emmi Gruppe den Fokus auf die Reduktion der Scope-3-THG-Emissionen. Mit den 131 Landwirtinnen und Landwirten, die die THG-Emissionen bereits erhoben haben, wird die Zusammenarbeit fortgeführt, um eine solide Grundlage für das Verständnis der Emissionen zu schaffen. Ausserdem soll ein Pilotprojekt zur Implementierung von Reduktionsmassnahmen mit 13 Höfen initiiert werden.

In der Schweiz wird die Emmi Gruppe weiterhin aktiv am Projekt KlimaStaR sowie an der branchenweiten Ausrollung des Klimarechners arbeiten.