Unter «Verpackung» sind bei der Emmi Gruppe alle eingesetzten Materialien zusammengefasst, welche die Produkte vor externen Einflüssen während des Transports und der Lagerung schützen. Je nach Produkt verwendet das Unternehmen unterschiedliche Materialien oder Materialkombinationen. Im Sinne der Kreislaufwirtschaft soll ein möglichst grosser Anteil der Verpackungen recyclingfähig sowie wiederverwertbar sein. Recyclingfähig bedeutet, eine Verpackung in ihre Grundstoffe zu zerlegen, wohingegen wiederverwertbar bedeutet, eine Verpackung in ihrer ursprünglichen Form und Funktionalität wiederzuverwenden (beispielsweise erneuter Einsatz einer Glasflasche). Gleichzeitig achtet die Emmi Gruppe darauf, den Materialverbrauch zu reduzieren. Oberste Priorität bei der Wahl der Verpackung hat die Lebensmittelsicherheit und der Erhalt der Qualität der Produkte.
Verpackungen sind entscheidend für die Lebensmittelsicherheit und gewährleisten die Produktqualität während des Transports und der Lagerung. Sie helfen dadurch mit, Lebensmittelverschwendung zu vermeiden (siehe Kapitel 3.10 Food Waste). Fehlerhaftes oder falsches Verpackungsmaterial kann die Reputation und das Vertrauen der Konsumentinnen und Konsumenten in die Emmi Gruppe schädigen und finanzielle Konsequenzen haben.
Verpackungen aus schwer recyclingfähigen Materialien oder deren nicht fachgerechte Entsorgung belasten die Umwelt. Insbesondere der Einsatz von Kunststoff wird kritisch beurteilt, sei es im Kontext der endlichen Ressource Erdöl oder der Umweltverschmutzung. Aufgrund schärferer Regulierungen und Verbote gewisser Verpackungsmaterialien testet die Emmi Gruppe Alternativen und setzt diese, wenn sinnvoll, ein. Durch den Einsatz umweltfreundlicher Verpackungsmaterialien kann sich Emmi positiv im Markt positionieren und gleichzeitig den ökologischen Fussabdruck verkleinern. Indem insbesondere rezyklierte Rohstoffe eingesetzt werden, kann eine langfristige Kreislaufwirtschaft etabliert werden, die Ressourcen schont und Abfall reduziert. Nachhaltige und innovative Verpackungslösungen können zudem das Vertrauen und die Loyalität der Konsumentinnen und Konsumenten in die Marken der Emmi Gruppe stärken.
Die Emmi Gruppe arbeitet unter konsequenter Wahrung des Produktschutzes seit 2011 an nachhaltigen Verpackungslösungen. In der Schweiz existieren aktuell erst wenige Vorgaben zum Verpackungsdesign. Fortschritte im Verpackungsbereich werden primär durch Initiativen und Selbstverpflichtungen in der Branche getrieben. Die Emmi Gruppe orientiert sich deshalb für die Schweiz und das europäische Geschäft an den zunehmend strengeren Richtlinien und -Gesetzen der Europäischen Union (EU) wie die der Abfallrahmenrichtlinie (Richtlinie 2008/98/EG). Die Richtlinie definiert den Rechtsrahmen für den Umgang mit Abfällen in der EU. Sie verfolgt das Ziel, die Umwelt, die menschliche Gesundheit und Ressourcen zu schützen und das Recycling zu fördern, indem mehr Abfälle getrennt erfasst und einer Verwertung zugeführt werden. Auch berücksichtigt die Emmi Gruppe die EU-Richtlinie zur Reduzierung der Umweltauswirkungen bestimmter Kunststoffprodukte (Single Use Plastic Directive) sowie die überarbeiteten Rechtsvorschriften der EU für Verpackungen und Verpackungsabfälle (Packaging and Packaging Waste Regulation). Alle von der Emmi Gruppe eingesetzten Verpackungsmaterialien erfüllen die lebensmittelrechtlichen und länderspezifischen Anforderungen der EU (Verordnung (EU) Nr. 10/2011).
Aktuell fokussiert sich die Emmi Gruppe im Bereich Verpackungen auf die Divisionen Schweiz und Europa. In der Division Americas stellt das Unternehmen sicher, dass die lokalen Gesetze eingehalten werden. In der neuen Strategieperiode wird zudem geprüft, inwiefern und ab wann der europäische Ansatz in der Division Americas sinnvoll angewendet werden kann.
Die Ziele im Bereich Verpackung werden durch das Team «Nachhaltige Verpackung» erarbeitet und in separaten, interdisziplinären Gremien freigegeben. Dabei werden lokale Verpackungsgesetze und Kundenanforderungen berücksichtigt. Die Detailausarbeitung, Priorisierung, Umsetzung und Fortschrittsmessung liegt nach der Projektfreigabe wieder in der Verantwortung des Teams «Nachhaltige Verpackung». Es setzt die Projekte in interdisziplinären Teams um und leitet Massnahmen ein, falls Abweichungen zu den Zielsetzungen festgestellt werden.
Für neue Verpackungen setzt die Emmi Gruppe, wenn immer möglich, recyclingfähige Materialien ein. Eine ganzheitliche, kreislauffähige Verpackungslandschaft ist auf eine einheitliche und funktionierende Recyclinginfrastruktur angewiesen. Dies erfordert die Abstimmung und Kooperation mit verschiedenen Stakeholdern. In der Schweiz haben Kooperationen zur Förderung der Kreislaufwirtschaft in den letzten Jahren bereits Gestalt angenommen, wie das Beispiel der freiwilligen Branchenorganisation RecyPac zeigt. Als Gründungsmitglied setzt sich die Emmi Schweiz AG bei dieser Organisation für eine schweizweite Sammlung von Kunststoffverpackungen ein.
PET-Getränkeflaschen sind in der Schweiz dank dem Verein PET-Recycling Schweiz bereits etabliert, sowohl beim Sammeln als auch beim Verwerten. Die Emmi Schweiz AG hat 2024 eine innovative, weisse PET-Getränkeflasche auf den Markt gebracht, die einen Lichtschutz für lichtempfindliche Milchprodukte beinhaltet. Mit dem schrittweisen Wechsel von HDPE- auf PET-Getränkeflaschen setzt die Emmi Schweiz AG auf eine kreislauffähige Verpackung. Aktuell besteht die Flasche aus 25 % Rezyklat. Dieses stammt zurzeit von transparenten Flaschen. Ziel ist es, künftig Rezyklat von weissen Flaschen bei der Produktion einzusetzen.
Neben dem allgemeinen Verhaltenskodex für Lieferanten besteht für Lieferanten von Verpackungsmaterialien ein spezifischer Anforderungskatalog. Dieser regelt den Umgang mit kritischen Substanzen (wie Weichmachern), der Nanotechnologie und den Migrationsrisiken. Die Anforderungen sind in verschiedenen Dokumenten für die Lieferanten verpflichtend festgelegt (Informationen für Lieferanten der Emmi Gruppe):
Zur Eruierung der Recyclingfähigkeit von Verpackungen wurde in der Schweiz das Berechnungstool «Packaging Cockpit» vorbereitet. Das Ziel ist eine automatische Berechnung der Recyclingfähigkeit aus den verschiedenen IT-Systemen, wozu die SAP-Stammdaten bereinigt und Schnittstellen zu bestehenden Systemen aufgebaut wurden. Die Einführung ist im Jahr 2026 geplant (siehe Kapitel 3.7.4 Ausblick).
Die Emmi Schweiz AG hat den Rezyklatanteil in den Raclette-Schalen aus PET-Material im Berichtsjahr auf 100 % erhöht. Die Schalen bestanden vorher bereits ausschliesslich aus PET-Material, wobei ein Teil noch aus fossilen Rohstoffen gewonnen wurde.
Die Recyclingfähigkeit der Kunststoffverpackungen (Ziel bis 2027: 100 %) in der Schweiz liegt bei 24 % (+1 % ggü. Vorjahr). Die leichte Zunahme der Kennzahl gegenüber Vorjahr ist auf Optimierungen im Bereich der Käseverpackungen zurückzuführen. Der starke Rückgang der Kennzahl von 2023 auf 2024 entstand aufgrund einer weiterentwickelten, akkurateren Berechnungsmethode, was sich deutlich auf die Wahrscheinlichkeit der Zielerreichung auswirkte.
Der Rezyklatanteil liegt bei 5 % in der Schweiz (+1 % ggü. Vorjahr), bei 21 % in Italien (+3 % ggü. Vorjahr) und bei 2 % in Spanien (+1 % ggü. Vorjahr). Das Ziel bis 2027 ist ein Rezyklatanteil von 30 % je Land.
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Eingesetzte Materialien nach Gewicht |
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Schweiz |
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2025 |
2024 1) |
2023 |
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Eingesetzte nicht erneuerbare Materialien |
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Kunststoff |
t |
11’310 ▲ |
10’343 ▲ |
11’222 |
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Metall/Aluminium |
t |
330 |
316 |
301 |
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Eingesetzte erneuerbare Materialien |
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Kartonage |
t |
10’099 2) |
8’248 |
9’366 |
|
Glas |
t |
203 |
210 |
57 |
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Getränkekarton 3) |
t |
5’629 |
6’971 |
6’228 |
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Total |
t |
27’572 ▲ |
26’088 ▲ |
27’174 |
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Italien a) |
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2025 |
2024 |
2023 |
|
Eingesetzte nicht erneuerbare Materialien |
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Kunststoff |
t |
2’235 4) |
2’388 |
n/a |
|
Metall/Aluminium |
t |
12 4) |
2 |
n/a |
|
Eingesetzte erneuerbare Materialien |
|
|
|
|
|
Kartonage |
t |
3’247 |
3’451 |
n/a |
|
Glas |
t |
4’464 |
3’835 |
n/a |
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Getränkekarton |
t |
n/a |
n/a |
n/a |
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Total |
t |
9’958 |
9’676 |
n/a |
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|
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Spanien |
|
2025 |
2024 |
2023 |
|
Eingesetzte nicht erneuerbare Materialien |
|
|
|
|
|
Kunststoff |
t |
1’771 |
985 |
n/a |
|
Metall/Aluminium |
t |
78 4) |
10 |
n/a |
|
Eingesetzte erneuerbare Materialien |
|
|
|
|
|
Kartonage |
t |
4’056 |
3’639 |
n/a |
|
Glas |
t |
95 |
101 |
n/a |
|
Getränkekarton 3) |
t |
1’542 4) |
1’112 |
n/a |
|
Total |
t |
7’542 |
5’847 |
n/a |
a) Exklusive Pasticceria Quadrifoglio Srl.
1) Der Wert 2024 lässt sich aufgrund der neu eingeführten Berechnungsmethodik nicht mit den Vorjahreswerten vergleichen.
3) Der Anteil Kunststoff bei Getränkekarton 2025 beträgt in der Schweiz 1’748 t, 2024 1’758 t und 2023 2’125 t. In Spanien beträgt der Anteil Kunststoff bei Getränkekarton 2025 265 t und 2024 191 t.
4) Zunahme 2025 aufgrund höheren Umsatzvolumens sowie verbesserten Datenerhebung.
▲ Geprüft durch KPMG.
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Eingesetzte recycelte Ausgangsstoffe |
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Schweiz |
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Ziel 2027 |
2025 |
2024 |
2023 |
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Rezyklatanteil |
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Kunststoffrezyklat 1) |
t |
|
662 ▲ |
481 ▲ |
342 |
|
Anteil Kunststoffrezyklat |
|
30 % |
5 % ▲ |
4 % ▲ |
3 % |
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|
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|
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Italien |
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2025 |
2024 |
2023 |
|
Rezyklatanteil |
|
|
|
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|
Kunststoffrezyklat |
t |
|
473 |
421 |
n/a |
|
Anteil Kunststoffrezyklat |
|
30 % |
21 % |
18 % |
n/a |
|
|
|
|
|
|
|
|
Spanien |
|
|
2025 |
2024 |
2023 |
|
Rezyklatanteil |
|
|
|
|
|
|
Kunststoffrezyklat |
t |
|
39 |
5 |
n/a |
|
Anteil Kunststoffrezyklat |
|
30 % |
2 % |
1 % |
n/a |
1) Kunststoff aus Kunststoffverpackungen (2025: 628 t; 2024: 448 t) und aus Getränkekartons (2025: 33 t; 2024: 33 t).
▲ Geprüft durch KPMG.
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Recycelbarer Wertstoffanteil Schweiz |
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Ziel 2027 |
2025 |
2024 1) |
2023 |
|
Kunststoff |
|
100 % |
24 % ▲ |
23 % ▲ |
50 % |
1) Der Wert 2024 lässt sich aufgrund der neu eingeführten Berechnungsmethodik nicht mit dem Vorjahreswert vergleichen.
▲ Geprüft durch KPMG.
Methodik der nichtfinanziellen Kennzahlen 2025
Mit der Einführung des Berechnungstools «Packaging Cockpit» wird die Erhebung der «Recyclingfähigkeit» auf weitere europäische Produktionsländer gemäss den gesetzlichen Vorgaben ausgeweitet. Künftig wird die Kennzahl damit automatisiert berechnet werden können.
Die Strategie zur Beschaffung von Rezyklaten wird weiterentwickelt, damit ausreichende Mengen für Verpackungsproduktion gesichert werden können.
Ab 2026 wird eine weitere PET-Abfüllanlage bei der Emmi Schweiz AG in Betrieb genommen. Dies erlaubt eine konsequente Weiterverfolgung der Umstellung von HDPE-Getränkeflaschen auf flächendeckend gesammelte und recycelte PET-Getränkeflaschen.