Unter Abfall versteht die Emmi Gruppe anorganische Stoffe, die in der eigenen Produktion anfallen und entweder recycelt oder sicher und sachgemäss entsorgt werden, sei es durch Verbrennung, Deponierung oder als Sondermüll gemäss geltenden Vorgaben. Die Vermeidung von anorganischem Abfall aus der eigenen Produktion ist für die Emmi Gruppe aus ökonomischen und ökologischen Gründen relevant: Zum einen können Entsorgungskosten eingespart werden, zum anderen können wertvolle Ressourcen geschont, effizienter genutzt sowie – sofern möglich – über das Recycling wieder in den Kreislauf eingebracht werden. Organische Abfälle werden im Kapitel 3.10 Food Waste behandelt.
Unsachgemäss entsorgter Abfall aus anorganischen Stoffen stellt eine erhebliche Herausforderung für die Umwelt und die Gesellschaft bzw. die Gesundheit von Menschen und Tieren dar: Offene Deponien und illegale Müllablagerungen setzen grosse Mengen an klimaschädlichem Methangas frei und tragen erheblich zur globalen Erwärmung bei (Maasakkers et al., 2022). Wenn Abfall deponiert wird, kann dies das Grundwasser belasten, grosse Flächen verbrauchen sowie zu Treibhausgasemissionen und Luftverschmutzung führen. Durch Material- und Abfallreduktion sowie einen Wechsel zu Mehrweglösungen oder recycelbaren Materialien kann der zu deponierende Abfall reduziert werden.
Plastikabfälle verschmutzen die Ozeane und weitere Ökosysteme. Mikroplastik gelangt zudem in die Nahrungskette. Giftige Substanzen, die in den Boden und das Grundwasser gelangen, sind mit erheblichen gesundheitlichen Risiken sowohl für den Menschen als auch für die Tiere verbunden. Der Verlust an wertvollen Rohstoffen, die – obwohl möglich – nicht recycelt oder wiederverwendet werden, führt zudem zu hohen direkten (Beschaffungs- und Entsorgungskosten) und indirekten (Übernutzung der natürlichen Ressourcen) Kosten.
Betriebliche anorganische Abfälle können von der Emmi Gruppe selbst gesteuert werden und sind daher ein bedeutender Faktor sowohl hinsichtlich der Verbesserung der Ressourcen- als auch der Kosteneffizienz. Durch die Implementierung von Kreislaufwirtschaftsprinzipien sowie die damit einhergehende Förderung von Recycling und der Wiederverwendung von Materialien kann die Emmi Gruppe die Abfallmenge reduzieren. Dadurch können wertvolle Ressourcen, die für die Produktionsprozesse benötigt werden, geschont werden, wodurch sich die Betriebskosten senken lassen.
Werden aufgrund von Verstössen gegen geltende Abfallvorschriften die gesetzlichen Vorgaben zur Abfallentsorgung und -vermeidung erweitert, kann dies zu internen Prozessanpassungen und damit zu erheblichen Mehrkosten in den Betrieben führen. Versäumnisse bei der Umsetzung nachhaltiger Praktiken können darüber hinaus Imageprobleme verursachen und das Vertrauen der Konsumentinnen und Konsumenten in die Emmi Gruppe, ihre Produkte und die Marke negativ beeinflussen. Um diesen Risiken vorzubeugen, setzt das Unternehmen auf die konsequente Einhaltung gesetzlicher Vorgaben und Umweltauflagen sowie auf eine sichere und sachgemässe Entsorgung gemäss den lokalen Anforderungen und Möglichkeiten.
Im Umgang mit Abfall lautet das Credo der Emmi Gruppe «Vermeiden, vermindern, verwerten». Das bedeutet, dass vermeidbare anorganische Abfälle vorrangig reduziert werden. Für die Restmengen werden Lösungen gesucht, um die Stoffe wiederzuverwerten oder zu recyclen und damit in die Kreislaufwirtschaft zurückzuführen. Wiederverwertbare oder recycelbare Abfälle sind vor allem Verpackungsmaterialien aus Kunststoff, Glas, Metall, Holz, Papier oder Karton.
Zu entsorgende Abfälle werden idealerweise in Kehrichtverbrennungsanlagen energetisch verwertet (beispielsweise in der Schweiz) oder – wenn nicht anders möglich – auf Deponien entsorgt. Hier handelt es sich hauptsächlich um Ausschüsse aus dem Verpackungsprozess, Produktionshilfsmittel wie Reinigungstücher oder Klebebänder sowie Primär- und Sekundärverpackungen von Rohstoffen und Reinigungsmitteln oder um stark verunreinigte Produktionsreste. In Tunesien wird zudem der aus der Abwasserreinigung anfallende Klärschlamm deponiert.
Anorganische Abfälle, die nicht recycelt, verbrannt oder deponiert werden und daher einer besonderen Entsorgung bedürfen, wie gefährliche Güter (Chemikalien), Leuchtstofflampen, Batterien, Schmierstoffe und Öle, gelten als Sondermüll und werden unter Beachtung der notwendigen Vorgaben und Sicherheitsvorkehrungen sachgemäss entsorgt.
Dabei ist zu beachten, dass nicht alle Länder, in denen die Emmi Gruppe Produktionsstandorte hat, dieselben Entsorgungs- oder Recyclingmöglichkeiten anbieten.
Die Emmi Gruppe richtet sich bei der Wahl der Zertifizierungsstandards ihrer Managementsysteme nach den Bedürfnissen des Markts, dem erzielten Mehrwert für die verschiedenen Stakeholder sowie den verfügbaren Ressourcen. Alle Produktionsstandorte der Emmi Gruppe verfügen über ein systematisches Umweltmanagement. Die Umweltmanagementsysteme der Produktionsbetriebe Emmi Dessert Italia (Italien), Kaiku (Spanien), und Vitalait (Tunesien) sind ISO-14001-zertifiziert. In der Division Schweiz werden die ISO-14001-Normen künftig als «Best Practice» weitergeführt und nicht mehr (re)zertifiziert. Alle Produktionsstandorte sind lokal organisiert. Sie stellen sicher, dass die geltenden Gesetze hinsichtlich der Abfallentsorgung eingehalten werden.
Die Daten zum Abfall werden lokal erhoben, auf Gruppenstufe konsolidiert sowie extern durch KPMG auditiert (siehe Kapitel 9 Prüfbericht KPMG).
Die Abfallintensitätsrate bezogen auf verkaufsfähige Ware konnte gegenüber dem Basisjahr um 3 % reduziert werden (8 % Reduktion ggü. Vorjahr). Dies ist auf eine verbesserte Datenerhebung am Standort Mahdia, Tunesien, zurückzuführen (-26 % ggü. Basisjahr, -33 % ggü. Vorjahr). Ohne die akquisitionsbedingte Integration von Emmi Dessert USA hätte die Reduktion gegenüber dem Basisjahr 9 % betragen.
Der anorganische Abfall, der in die Verbrennung geht, ist im Berichtsjahr im Vergleich zum Vorjahr um 3.6 % gestiegen. Treiber dafür ist die höhere Produktionsmenge (+5 % ggü. Vorjahr).
Der Abfall, der in die Verbrennung und Deponie geht, stieg akquisitionsbedingt getrieben durch die Division Americas gegenüber dem Basisjahr absolut um 30 %. Gegenüber Vorjahr konnte jedoch eine Reduktion um 3 % erzielt werden. Der Treiber ist wiederum der Standort Mahdia aufgrund verbesserter Datenerfassung.
Die Zunahme des Sondermülls im Berichtsjahr ist im Vergleich zum Vorjahr auf unregelmässig anfallende Abfallströme zurückzuführen. Massgebliche Treiber sind Standorte in der Schweiz sowie ein Werk in Spanien. Der Anstieg des organischen Abfalls im Vergleich zum Vorjahr steht im Zusammenhang mit Anpassungen in der Abwasseraufbereitung – insbesondere bei Darey Brands (USA) und am Standort in Landquart (Schweiz) – sowie mit Veränderungen im Portfolio-Mix an den Schweizer Standorten in Emmen und Bischofszell.
Seit 2024 wird in der Division Europa (exkl. Mademoiselle Desserts Gruppe) kein betrieblicher anorganischer Abfall mehr auf Deponien entsorgt. In der Division Europa (exkl. Mademoiselle Desserts Gruppe) und in der Division Schweiz hat die Emmi Gruppe ihr Ziel erreicht. Dennoch hat der Abfall, der auf Deponien entsorgt wird, im Vergleich zum Basisjahr um 19 % zugenommen. Der grösste Treiber ist Laticínios Porto Alegre (Brasilien). Aufgrund von lokalen Vorgaben bzw. Möglichkeiten können bestimmte Materialien nicht dem Recycling oder der Verbrennung zugeführt werden. Insgesamt konnte im Vergleich zum Vorjahr die Abfallentsorgung auf Deponien der Emmi Gruppe (exkl. Mademoiselle Desserts Gruppe) um 8.2 % reduziert werden.
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Angefallener Abfall |
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2025 a) |
2024 |
2023 b) |
Basisjahr 2017 c) |
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Nicht organischer Abfall |
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Total Abfall (Deponie und Verbrennung) |
t |
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12’515 ▲ |
12’959 ▲ |
10’160 |
9’600 |
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Abfall (Verbrennung) |
t |
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3’334 ▲ |
3’218 ▲ |
2’696 |
1’892 |
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Abfall (Deponie) |
t |
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9’181 ▲ |
9’741 ▲ |
7’464 |
7’708 |
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Sondermüll |
t |
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300 |
212 |
231 |
16 |
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Wiederverwerteter Abfall 1) |
t |
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8’234 |
7’175 |
6’222 |
6’191 |
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Organischer Abfall |
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Kompost, Fermentierung, Bodenausbringung |
t |
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50’780 |
24’835 |
24’273 |
14’056 |
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Tierfutter |
t |
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102’351 |
120’348 |
127’801 |
2’932 |
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Total |
t |
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174’179 |
165’529 |
168’687 |
32’795 |
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Zur Entsorgung weitergeleiteter Abfall |
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2025 a) |
2024 |
2023 b) |
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Verbrennung mit Energierückgewinnung |
t |
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1’619 |
1’391 |
1’857 |
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Verbrennung mit oder ohne Energierückgewinnung |
t |
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1’714 |
1’827 |
839 |
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Deponie |
t |
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9’181 ▲ |
9’741 ▲ |
7’464 |
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Sonstige Entsorgungs- verfahren (Sondermüll) |
t |
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300 |
212 |
231 |
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Total |
t |
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12’814 |
13’171 |
10’390 |
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Emmi Ziel: Verschwendung vermeiden |
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Ziel 2027 |
Diff. zu Basisjahr |
2025 a) |
2024 |
2023 b) |
Basisjahr 2017 c) |
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Abfall Intensitätsrate (kg Abfall (Verbrennung/ Deponie) pro t Produkt 2) ) |
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-50 % |
-3 % |
8.79 |
9.57 |
7.60 |
9.02 |
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Abfall (Deponie) |
t |
0 |
19 % |
9’181 ▲ |
9’741 ▲ |
7’464 |
7’708 |
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Anteil Abfallentsorgung auf Deponien |
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73 % |
75 % |
73 % |
80 % |
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Anteil Abfall nach Divisionen (Deponie und Verbrennung) |
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2025 a) |
2024 |
2023 b) |
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Division Schweiz |
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13 % |
11 % |
18 % |
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Division Europa |
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6 % |
7 % |
9 % |
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Division Americas |
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81 % |
82 % |
73 % |
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a) Exklusive Mademoiselle Desserts Gruppe.
b) Exklusive Emmi Dessert USA.
c) Inklusive Gläserne Molkerei (2023 veräussert).
1) Dazu zählen Wertstoffe, die recycelt wurden (ohne organische Abfälle).
2) Produkt = verkaufsfähige Ware.
▲ Geprüft durch KPMG.
Methodik der nichtfinanziellen Kennzahlen 2025
Im Werk in Tunesien muss, wie an anderen milchverarbeitenden Standorten, das Prozessabwasser vorgereinigt werden. Der entstehende Klärschlamm wird mangels Alternativen in eine Deponie gebracht. Das lokale Team hat in den Jahren 2024 und 2025 verschiedene alternative Lösungsansätze geprüft. Dazu gehörten die Trocknung des Schlamms, der anschliessend zu Dünger verarbeitet oder als Biomasse für die Wärmeerzeugung eingesetzt wird. Ebenso kommt die Kompostierung des Schlamms infrage. Die Trocknungs- und Kompostierversuche sind abgeschlossen und die Betriebsbedingungen und Substratzusammensetzung für eine erfolgreiche Kompostierung konnten eruiert werden. Aktuell laufen Pflanzversuche mit Einsatz der verschiedenen Komposterden.
Die Auswertung der im Herbst 2023 durchgeführten Analysen an den Schweizer Produktionsstandorten zu den Optimierungsmöglichkeiten im Bereich Abfallmanagement wurde im Berichtsjahr abgeschlossen. Dabei wurde Potenzial im Bereich der Prozessvereinfachung und des Reportings sowie Optimierungsmöglichkeiten beim Recycling aufgezeigt. Vier Produktionsstandorte haben zur Umsetzung der Optimierungen im Berichtsjahr die Zusammenarbeit mit einem externen Partner gestartet.
In Tunesien laufen aktuell Gespräche mit Behörden sowie Landwirtinnen und Landwirten bezüglich des Einsatzes des Komposts nach Abschluss der Testphase. Für die mögliche Vergärung des Schlamms und Erzeugung von Biogas prüft das lokale Team potenzielle Partner für die Umsetzung.