Innerhalb der Emmi Gruppe sollen alle Mitarbeitenden (inklusive solche von Drittfirmen) ihre Tätigkeiten ohne Gefahren für ihre Gesundheit, Unfälle oder Verletzungen erfüllen können. Der Gesundheitsschutz schliesst eine ausgewogene Work-Life-Balance und die Unterstützung der mentalen Gesundheit ein.
Relevante Risikofaktoren für die physische Gesundheit der Mitarbeitenden sind Verletzungsgefahren, beispielsweise beim Bedienen von Maschinen, Lärmbelastungen oder das Arbeiten in verschiedenen Temperaturbereichen. Ebenso kann die Arbeit zu psychischen Belastungen führen, beispielsweise aufgrund des menschlichen Umfelds, der bestehenden Rahmenbedingungen oder der zu leistenden Arbeit. Die in der Folge entstehenden unfall- oder krankheitsbedingten Ausfälle oder Leistungsminderungen können die Funktionsfähigkeit des Unternehmens beeinträchtigen und/oder signifikante Kosten nach sich ziehen. Darüber hinaus bergen schwerwiegende Vorfälle oder nachweisbare Verfehlungen der Emmi Gruppe Prozess- und Reputationsrisiken. Solche Vorfälle wirken sich nicht nur auf das Unternehmen aus, sondern können auch gesellschaftliche Folgen nach sich ziehen, etwa durch die Einschränkung der Lebensqualität der Betroffenen oder die Belastung des Gesundheitssystems.
Durch Arbeitsschutzmassnahmen sowie umweltfreundlichere Praktiken, wie die Reduktion von Schadstoffen und Abfällen, kann die Emmi Gruppe die Arbeitssicherheit und den Gesundheitsschutz verbessern und Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten reduzieren. Ausserdem kann damit die Zufriedenheit und Motivation der Mitarbeitenden positiv beeinflusst und die Produktivität erhöht werden.
Die Sicherheitsphilosophie der Emmi Gruppe ist darauf ausgerichtet, dass alle Mitarbeitenden nach der Arbeit wieder sicher und gesund nach Hause kommen. Übergeordnete Ziele sind, keine betrieblichen Unfälle zu verzeichnen und langfristig die Anzahl Vorfälle zu reduzieren. Dazu legt die Emmi Gruppe den Fokus auf die Prävention, insbesondere durch Richtlinien und Angaben für ein bewusstes und korrektes Verhalten gemäss dem Sicherheitsmotto «Stay-Think-Act» («Stoppen-Denken-Handeln»).
Die Umsetzungsverantwortung für das Gesundheits- und Sicherheitsmanagement liegt bei den Länderorganisationen. In den lokalen Arbeitssicherheitsorganisationen werden Massnahmen und Programme erarbeitet sowie umgesetzt. Die Gesundheit am Arbeitsplatz wird von den lokalen HR-Abteilungen betreut und Massnahmen werden in Abstimmung mit den Arbeitssicherheitsorganisationen geplant und implementiert.
Als Teil des Gesundheits- und Sicherheitsmanagements werden umfangreiche Kennzahlen erhoben, um Verbesserungspotenziale zu identifizieren und die Wirksamkeit der getroffenen Massnahmen zu überprüfen. Vorfälle und Beinahe-Ereignisse werden analysiert. Der Managementansatz bzw. die ergriffenen Massnahmen werden basierend auf den Erkenntnissen sofern nötig angepasst. Der gruppenweite Wissenstransfer wird laufend mittels SharePoint sowie monatlicher physischer und virtueller Austauschmeetings mit den Sicherheitsbeauftragten der Standorte sichergestellt.
Die Grundlagen für das Gesundheits- und Sicherheitsmanagement der Emmi Gruppe sind Gesetze, Verordnungen und privatrechtliche Vereinbarungen. Für alle Standorte und Tochtergesellschaften der Emmi Gruppe gelten die folgenden Prinzipien:
Die Emmi Gruppe richtet sich bei der Wahl der Zertifizierungsstandards ihrer Managementsysteme nach den Bedürfnissen des Markts, dem erzielten Mehrwert für die verschiedenen Stakeholder sowie den verfügbaren Ressourcen. In der Division Schweiz werden daher die ISO-Normen künftig als «Best Practice» weitergeführt und nicht mehr (re)zertifiziert. Dies trifft auch auf das Managementsystem für die Arbeitssicherheit (ISO 45001) zu. International sind die Managementsysteme für Arbeitssicherheit an den Standorten in Gattico, Lasnigo und Pero (Italien) sowie Mahdia (Tunesien) weiterhin gemäss ISO 45001 zertifiziert.
Die Gesundheitsdaten der Mitarbeitenden werden gemäss den geltenden länderspezifischen Datenschutzverordnungen, beispielsweise dem Datenschutzgesetz (DSG) der Schweiz oder der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der EU, bearbeitet. In internen Datenschutzerklärungen wird dies länderspezifisch verbindlich geregelt.
Die Emmi Gruppe überprüft ihr Sicherheitsmanagement risikobasiert durch interne und externe Audits und ergreift, sofern notwendig, Massnahmen im Rahmen des kontinuierlichen Verbesserungsprozesses.
Zur Gesundheitsförderung werden Einführungsprogramme sowie gesetzlich vorgeschriebene Schulungen durchgeführt. Für besonders risikoreiche Tätigkeiten, wie Arbeiten in der Höhe, werden jährlich definierte Ausbildungen und Befähigungen durchgeführt. Weitere Kurse und Trainings betreffen die Betriebssanität, Erste Hilfe, Evakuationstrainings, die korrekte Nutzung von Steighilfen oder das Verhalten im Verkehr.
Die Führungskräfte der Emmi Gruppe werden im Rahmen der strategischen, gruppenweiten Initiative «Excellent Leadership» zu einer gesundheitsorientierten Führung befähigt und jährlich weitergebildet. Auf lokaler Ebene werden den Mitarbeitenden und Führungskräften diverse Lernmodule zur Stärkung der Resilienz oder zum Umgang mit Stress angeboten. Ausserdem besteht in Teilen der Emmi Gruppe ein Angebot für regelmässige medizinische Untersuchungen, Unterstützung für die Teilnahme an Sportaktivitäten und gezielte Massnahmen zur Optimierung der Ergonomie an den Arbeitsplätzen und es werden Kommunikationskampagnen und Workshops zu «gesund Arbeiten» und «Ernährung, Bewegung, Erholung» durchgeführt.
Im Rahmen der initialen Lieferantenbewertung wird abgefragt, ob der Lieferant ein Managementsystem für Arbeitssicherheit und Gesundheit unterhält, das nach OHSAS 18001 oder ISO 45000 zertifiziert ist. Wenn dies nicht gegeben ist, wird die Beantwortung von acht spezifischen Fragen eingefordert. Diese Fragen umfassen unter anderem, ob interne und externe Audits durchgeführt werden und ob Richtlinien zur Identifikation von Sicherheitsrisiken und formulierte Zielsetzungen vorhanden sind. So soll das Risiko von Arbeitsbedingungen, welche die Arbeitssicherheit und den Gesundheitsschutz in der Lieferkette verletzen, reduziert werden. Zusätzlich werden die Lieferanten der Emmi Gruppe angehalten, den Verhaltenskodex für Lieferanten zu unterschreiben (siehe Kapitel 3.9 Verantwortungsvolle Beschaffung).
Als Hauptkennzahl orientiert sich die Emmi Gruppe an der sogenannten Total Incident Frequency Rate (TIFR). Zur Berechnung der TIFR wird die Anzahl der Arbeitsunfälle mit und ohne Ausfallzeit mit der Anzahl Arbeitsunfälle mit beschränkter Tätigkeit sowie mit Todesfolge addiert und mit einer Million geleisteter Arbeitsstunden ins Verhältnis gesetzt. Die Emmi Gruppe will die TIFR bis 2027 auf einen Wert von weniger als zehn Ereignisse pro eine Million geleisteter Arbeitsstunden reduzieren.
Die operativen Zielsetzungen pro Standort werden jährlich in Abhängigkeit von der lokalen Ausgangslage (Prozessrisiken, technische Sicherheit der Anlagen, Sicherheitskultur und gesetzliche Anforderungen) definiert.
In Kirchberg wurde die Kampagne «Handlauf benutzen» lanciert, um Sturzunfälle durch konsequente Nutzung von Handläufen zu vermeiden. Die internen BeSafe-Grundsätze für Führungskräfte (Fokus auf Verantwortung, kritisches Hinterfragen des Bestehenden und Sicherheitskommunikation) wurden aktiv in Shopfloor-Meetings eingebracht, was zu einem spürbaren Anstieg des sicherheitsbewussten Verhaltens führte. Zudem werden bei neuen Anlagen systematisch Gefahrenanalysen durchgeführt, um Risiken frühzeitig zu erkennen und zu minimieren.
In Dagmersellen übernehmen Teamleiterinnen und -leiter die Verantwortung für die Anmeldung neuer Mitarbeitenden zur persönlichen Schutzausrüstung (PSA). Sie sorgen für die individuelle Anpassung von Gehörschutz und Schutzbrille, was die Akzeptanz und konsequente Nutzung der PSA deutlich erhöht hat.
In Emmen wurde im Rahmen der Sicherheitskampagne «2025+» ein Sicherheitstag durchgeführt, um das Thema Sicherheit greifbar und persönlich zu machen. Zentrale Botschaften wie «Sicher denken, sicher arbeiten, sicher nach Hause» und «Stopp sagen» wurden durch Videobotschaften der Konzernleitung und Beiträge der Bereichsleiter vermittelt. Mitarbeitende teilten ihre persönlichen Gründe für sicheres Arbeiten in Form von Team-Collagen, um eine Kultur zu fördern, in der das «Stopp sagen» selbstverständlich wird.
In Bischofszell wurde die ausgeprägte «STOP-Kultur» durch offene Kommunikation weiter gefördert.
In der Logistik der Emmi Schweiz AG wurde mit der Ausbildung der ersten Koordinationspersonen für Arbeitssicherheit (Kopas) begonnen. Diese führen kurze Sicherheitsschulungen direkt vor Ort durch, stehen als Ansprechpartner für sicherheitsrelevante Fragen zur Verfügung und entlasten die Sicherheitsverantwortlichen (STAO-SIBE) spürbar durch ihre präventive Arbeit.
Kaiku, Spanien, legte im Jahr 2025 im Rahmen des FeelSafe-Projekts den Fokus auf gezielte ergonomische Verbesserungen. In der Abfüllung wurden mehrere Coil-Handler installiert und in der Fruchtvorbereitung ein Sackheber integriert.
Bei Cypress Grove Chevre, USA, hat das Safety-Team das seit über zehn Jahren bestehende tägliche Stretching-Programm gemeinsam mit einem Spezialisten für Muskelaktivierung modernisiert. Das neue Warm-up-Konzept wird durch ein Video direkt am Arbeitsplatz unterstützt. Für externe Dienstleister wurde ein Sicherheitsprogramm eingeführt: Alle Servicepartner sehen ein Schulungsvideo zu den Anforderungen bei Cypress Grove, die Teilnahme wird dokumentiert und jährlich erneuert. Auch die Prozesssicherheit wurde verbessert: Nach mehreren Beinaheunfällen mit ätzenden Chemikalien im CIP-Prozess des Pasteurisierens wurde das manuelle Umfüllen grosser Mengen durch ein neues Dosiersystem ersetzt.
Die Arbeitssicherheit bei Quillayes Surlat, Chile, wurde im Berichtsjahr durch ein Kulturprogramm in Zusammenarbeit mit der gemeinnützigen Organisation Mutual de Seguridad gestärkt. Ein dreistufiger Diagnoseprozess mit Umfrage (33 % Beteiligung), 19 Fokusgruppen und Analyse bestehender Managementsysteme und Präventionsinstrumente identifizierte sechs Handlungsfelder: Regelkonformität, Feedback, Information & Wissen, gemeinsame Kontrolle, Anerkennung und Sanktion. Anschliessend wurden Führungsinitiativen, Workshops und Awareness-Kampagnen umgesetzt. Parallel wurde das Programm «Sicherheit ist meine Priorität» ausgebaut: Mit über 1’000 Safety Contacts, 511 Sitzungen und 415 Inspektionen wurde die Prävention unter aktiver Beteiligung aller Führungsebenen fest im Alltag verankert.
Die Emmi Dessert Italia hat 2025 mit der Integration von Lasnigo die ISO-45001-Zertifizierung aller Standorte abgeschlossen. Ergänzend besteht eine SMETA-Zertifizierung. Parallel wurde das Verfahren «Safety Management of Change» eingeführt, um Risiken bei neuen Maschinen oder Gebäudeerweiterungen frühzeitig zu erkennen und zu steuern. In interdisziplinären Meetings werden potenzielle Gefahren bereits in der Planungsphase analysiert. Das 2024 gestartete Projekt «Walk – Observe – Communicate» (WOC) wurde im Berichtsjahr mit Kampagnen, visueller Kommunikation, neuen Regeln und gezielten Schulungen fortgeführt.
Auf Grundlage der standortspezifischen Risikoanalyse hat Emmi France gezielte Massnahmen in den Lagerbereichen umgesetzt. Drei erfahrene Mitarbeitende wurden durch einen externen Spezialisten im sicheren Umgang mit Staplern geschult. Sie fungieren nun als interne Referenztrainer und können bei Bedarf weitere Mitarbeitende und Zeitarbeitskräfte ausbilden. Zur Erhöhung der Notfallbereitschaft wurden Mitarbeitende im Umgang mit Defibrillatoren geschult und zwei zusätzliche Geräte an strategischen Orten platziert. Darüber hinaus wurden zehn Mitarbeitende zu Ersthelfenden bei Bränden ausgebildet. Sie übernehmen im Notfall die Evakuierung und sorgen für einen sicheren Ablauf.
Die Mademoiselle Desserts Gruppe veranstaltete an den Standorten Renaison und Thenon praxisnahe Sicherheitstage. In Renaison standen Feuerlöschübungen, Spiele zu Sicherheits- und Evakuierungspraktiken, eine Aufklärungskampagne zu Alkohol am Steuer mit Kartfahren sowie Workshops zur Prävention von Muskel-Skelett-Erkrankungen auf dem Programm. In Thenon fanden Schulungen zu persönlicher Schutzausrüstung (PSA), Brandbekämpfung, Sturzprävention und Gehörschutz statt.
Emmi Dessert USA hat im Berichtsjahr eine neue Initiative zur sicheren Nutzung der Parkflächen eingeführt: Rückwärts-Einparken als Standardpraxis. Diese Massnahme basiert auf Erkenntnissen, dass rund 20 % aller Fahrzeugunfälle in Parkbereichen stattfinden.
2025 waren 100 % der Mitarbeitenden von einem Managementsystem für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz abgedeckt (2024: 100 %).
Die häufigsten arbeitsbedingten Verletzungen betreffen die äusseren Extremitäten wie Finger-, Fussgelenks- und Kopfverletzungen. Im Jahr 2025 lag die TIFR bei 24.7 (Vorjahr: 21.0) und es gab keine Todesfälle (Vorjahr: 0). Von der Zielerreichung (unter 10 bis 2027) ist die Emmi Gruppe jedoch noch deutlich entfernt.
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Arbeitsbedingte Verletzungen |
2025 a) 1) |
2024 b) |
2023 b) |
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Alle Angestellten |
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Anzahl der Todesfälle aufgrund arbeitsbedingter Verletzungen |
0 |
0 |
0 |
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Rate der Todesfälle aufgrund arbeitsbedingter Verletzungen |
0.00 |
0.00 |
0.00 |
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Anzahl der arbeitsbedingten Verletzungen mit schweren Folgen (mit Ausnahme von Todesfällen) |
2 |
35 |
24 |
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Rate der arbeitsbedingten Verletzungen mit schweren Folgen (mit Ausnahme von Todesfällen) |
0.10 |
1.99 2) |
1.29 2) |
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Anzahl der dokumentierbaren arbeitsbedingten Verletzungen |
462 |
388 |
388 |
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Rate der dokumentierbaren arbeitsbedingten Verletzungen |
21.96 |
22.09 2) |
20.82 2) |
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Anzahl der gearbeiteten Stunden |
21’031’886 |
17’562’439 |
18’633’436 c) |
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Arbeitsbedingte Erkrankungen |
2025 a) 1) |
2024 b) |
2023 b) |
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Alle Angestellten |
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Anzahl der Todesfälle aufgrund arbeitsbedingter Erkrankungen |
0 |
0 |
0 |
a) Exklusive Mademoiselle Desserts Gruppe.
b) Exklusive Laticínios Porto Alegre Industria e Comercio SA.
c) Exklusive Emmi UK Limited.
1) Inklusive Auszubildende, Praktikanten und Trainees.
2) Neudarstellung aufgrund korrigierter Berechnungsbasis.
Um die TIFR zu reduzieren, wird die Emmi Gruppe weiterhin den Fokus auf spezifische Massnahmen in den Bereichen Schulung und Sensibilisierung, Gefährdungsbeurteilung, ergonomische Arbeitsplatzgestaltung, Analyse von Ereignissen und Einbezug der Mitarbeitenden in die gemeinsame Entwicklung der Sicherheitskultur durch sicherheitsorientiertes Verhalten legen. Die Vorbildfunktion und Unterstützung der Führungskräfte spielen weiterhin eine zentrale Rolle.