Das Thema Wasser umfasst die Wassernutzung und -verschmutzung bei Emmi sowie in der vorgelagerten Wertschöpfungskette. In der Landwirtschaft sind der Wasserverbrauch und die Wasserverschmutzung für die Herstellung pflanzlicher und tierischer Rohstoffe von zentraler Bedeutung. In den eigenen Betrieben wird Wasser als Produktzutat, in den Produktionsprozessen sowie zur Sicherstellung von Qualität und Hygiene benötigt. Relevant sind bei Emmi in diesem Zusammenhang der Frischwasserverbrauch und das anfallende Abwasser (z. B. Verschmutzungsgrad oder Menge). Unter Wasserverbrauch versteht Emmi aktuell ausschliesslich die Entnahme von Frischwasser.
Wasserknappheit und extreme Wetterereignisse wie Dürren und Überschwemmungen betreffen zunehmend mehr Regionen und zählen gemäss dem Weltwirtschaftsforum zu den grössten Risiken der Zukunft. Die Lebensmittelproduktion gehört zu den wasserintensivsten Aktivitäten. Gemäss dem WWF ist der landwirtschaftliche Sektor verantwortlich für die Entnahme von rund 70 % allen genutzten Süsswassers (WWF, 2021).
Auch für Emmi ist Wasser eine essenzielle Ressource. Im eigenen Betrieb wird Wasser als Zutat in einzelnen Produkten eingesetzt und für die Produktionsprozesse benötigt. Ebenfalls ist Wasser wichtig für die Gewährleistung von Qualität und Hygiene. Die Abwässer aus den Betrieben können mit organischen oder chemischen Rückständen belastet sein. Sie können aber auch eine stark abweichende Temperatur gegenüber jenen Gewässern aufweisen, in die sie eingebracht werden. Sowohl beim Bezug von Frischwasser als auch bei der Behandlung und Entsorgung von Abwasser können hohe Kosten anfallen.
Eine grosse Bedeutung hat Wasser ausserdem in der vorgelagerten Wertschöpfungskette – der Milchproduktion. In der Landwirtschaft werden durch den Futteranbau und die Nutztierhaltung je nach Standort grosse Mengen an Wasser verbraucht, was je nach Wasserverfügbarkeit in der entsprechenden Region für die Menschen und die Umwelt problematisch sein kann. Eine intensive landwirtschaftliche Produktion kann durch Düngemittel und organische Abfallstoffe aus der Tierhaltung die Qualität von Oberflächen- und Grundwasser negativ beeinträchtigen und so Boden- und Wasserorganismen schädigen. Extreme Trockenheit oder starke Regenfälle beeinflussen zudem die Verfügbarkeit und den Preis von Tierfutter, was sich auf die Milchmenge und den Milchpreis auswirken kann.
Wassermangel beeinflusst die landwirtschaftliche Produktion milchfremder Zutaten, die in den Emmi Produkten verwendet werden, wie beispielsweise von Früchten, Kaffee- und Kakaobohnen oder Nüssen.
Grundsätzlich verändert der Klimawandel die regionale und saisonale Wasserverfügbarkeit. Dies bringt bedeutende Risiken für das Geschäftsmodell von Emmi mit sich (vgl. Kapitel «Treibhausgase reduzieren»).
Emmi steuert das Wassermanagement an allen Produktionsstandorten über ein systematisches Umweltmanagement. Neben den Produktionsstätten der Emmi Schweiz haben die Produktionsbetriebe Emmi Dessert (Italien), Kaiku (Spanien) und Vitalait (Tunesien) ISO 14001 zertifizierte Umweltmanagementsysteme.
Zentrale Daten des Wassermanagements sind der Frischwasserverbrauch und die Abwassermenge (in der Schweiz seit 2008, global seit 2019), deren Entwicklung auf Gruppenstufe vierteljährlich verfolgt wird. Im Gegensatz dazu werden der chemische Sauerstoffbedarf (CSB), zur Bestimmung und Kontrolle der Abwasserqualität, wie auch weitere Parameter aktuell nur lokal gemanagt. Die lokalen Gesellschaften sind dafür verantwortlich, die nationalen und lokalen Gesetze, Richtlinien und Grenzwerte einzuhalten und basierend darauf standortspezifische Massnahmen abzuleiten. Deren Wirksamkeit überprüfen sie lokal über ihre Kennzahlen- und Steuerungsplattformen.
Zielsetzungen von Emmi für den Wasserverbrauch bis 2027:
Die jährlichen Daten für den Wasserverbrauch für die Nachhaltigkeitsberichterstattung werden lokal erhoben, auf Gruppenstufe konsolidiert sowie extern durch KPMG auditiert (vgl. Kapitel «Prüfbericht KPMG»). Der Steuerungsausschuss Nachhaltigkeit überprüft die Fortschritte und den Stand der Zielerreichung.
Für die Definition ihrer Ziele zur Senkung des Wasserverbrauchs in den eigenen Betrieben orientiert sich Emmi an branchenüblichen Werten. Emmi ist sich bewusst, dass die Auswirkungen ihrer Produktionstätigkeiten auf das Wasser je nach Land sehr unterschiedlich sind. Das Unternehmen hat sich deshalb für einen Impact-basierten Ansatz entschieden: Um die Wasserrisikogebiete zu identifizieren und die regionalen Prioritäten festzulegen, wendet Emmi auf all ihre Produktionsstandorte den «WWF Water Risk Filter» an (zuletzt 2019). Dieser analysiert anhand von zwölf Kriterien die Wasserrisiken an einem spezifischen Standort. Gemäss dieser Analyse befinden sich die Produktionsbetriebe in Tunesien (Mahdia), Kalifornien (Sebastopol, Turlock und Petaluma), Mexiko (Mexiko-Stadt) und Chile (Calera de Tango) in Wasserrisikogebieten.
Einige Emmi Tochtergesellschaften ausserhalb der Schweiz – sowie deren Milchproduzenten – befinden sich in Wasserrisikogebieten. Der Kriterienkatalog für Milchlieferanten (vgl. Kapitel «Nachhaltige Milchwirtschaft») umfasst deshalb auch Wasserkriterien: Schutz des offenen Wassers und des Grundwassers vor Verschmutzung. Diese Kriterien werden aktuell erhoben, um das effektive Risiko besser abschätzen zu können und in der nächsten Strategieperiode ggf. Massnahmen einzuleiten.
Kriterienkatalog (Methodik nachhaltige Milch)
Seit über 15 Jahren setzt Emmi in den Schweizer Betrieben auf ein professionelles (Ab-) Wassermanagement, auf dessen Basis bewährte, global multiplizierbare Ansätze entwickelt wurden:
Der grösste Teil von Emmis Wasser-Fussabdruck entsteht beim Anbau der landwirtschaftlichen Rohstoffe. Aktuell liegt der Schwerpunkt jedoch ausschliesslich auf dem Wasserverbrauch in den eigenen Betrieben. Es werden zurzeit keine Massnahmen zur Reduktion des Wasserverbrauchs entlang der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette umgesetzt. Für die Risikorohstoffe hat das Unternehmen mit externer Unterstützung (u. a. seines Partners WWF) im Jahr 2020 ein Konzept erarbeitet, dessen Umsetzung in Zukunft geprüft wird.
Im aktuellen Berichtsjahr fand eine erneute Überprüfung der Risikogebiete statt und wurde auf Gruppenstufe freigegeben. Die Neueinstufung wird in der kommenden Berichtsperiode angewandt und daraus entstehende mittel- bis langfristige Implikationen für Emmi werden geprüft.
Die Tochtergesellschaft Kaiku in Spanien hat im Berichtsjahr die Reinigungsabläufe weiter optimiert, Verluststellen eliminiert und die Mitarbeitenden sensibilisiert. Dank umfassender Spar- und Optimierungsmassnahmen gelang es, den absoluten Wasserverbrauch im Werk in Pamplona im Vergleich zum Basisjahr 2019 um rund 41 % zu senken.
Emmi will den Wasserverbrauch sowohl in den Nicht-Risikogebieten (Ziel bis 2027: -15 %) als auch in den Risikogebieten (Ziel bis 2027: -50 %) bezogen auf produzierte, verkaufsfähige Ware (Wasserintensität) reduzieren. Die Wasserintensität liegt jedoch aktuell um 1 % (in Nicht-Risikogebieten) bzw. 25 % (in Risikogebieten) höher als im Basisjahr 2019. Die Gründe dafür sind unverändert, dass bei tieferen Produktionsmengen der Reinigungsaufwand nicht linear zurückgeht und eine Sortimentsverschiebung hin zu Produkten mit einer höheren Trockenmasse wie zum Beispiel Käse und Pulver im Vergleich zum Basisjahr stattfand. Zudem gab es eine technische Störung an der Wasseraufbereitungsanlage in Tunesien.
Wasserverbrauch 1) 2) 3) |
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2024 a) |
2023 |
2022 b) |
Basisjahr 2019 b) |
Total |
m 3 |
7’256’868 ▲ |
7’182’686 |
7’229’862 |
5’883’917 |
Intensitätsrate pro t Produkt 4) |
m 3 /t Produkt |
5.36 |
5.38 |
5.38 |
5.10 |
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Wasserverbrauch in Risikogebieten 1) 2) 3) 5) |
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2024 |
2023 |
2022 |
Basisjahr 2019 |
Total |
m 3 |
1’113’991 ▲ |
1’052’611 |
1’094’183 |
944’399 |
Intensitätsrate pro t Produkt 4) in Risikogebieten |
m 3 /t Produkt |
5.23 |
4.67 |
4.12 |
4.17 |
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Wasserverbrauch in Nicht- Risikogebieten 1) 2) 3) |
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2024 a) |
2023 |
2022 b) |
Basisjahr 2019 b) |
Total |
m 3 |
6’142’877 ▲ |
6’130’074 |
6’135’679 |
4’939’518 |
Intensitätsrate pro t Produkt 4) in Nicht-Risikogebieten |
m 3 /t Produkt |
5.38 |
5.52 |
5.70 |
5.32 |
a) Inklusive Emmi Dessert USA.
b) Inklusive Gläserne Molkerei (2023 veräussert).
1) Die Emmi Definition von «Wasserverbrauch» entspricht der Definition von «Wasserentnahme» gemäss GRI-Standards 2021 GRI 303.
2) Wasser bezogen von der jeweiligen staatlichen Wasserversorgung oder aus eigenen Brunnen.
3) 1,000 m3 = 1 ML.
4) Produkt = verkaufsfähige Ware.
5) Wassergefährdete Gebiete mit hohem Wasserstress: Mahdia (TN), Turlock (US), Petaluma (US), Sebastopol (US), Mexiko-Stadt (MX) und Calera de Tango (CL).
▲ Geprüft durch KPMG.
Methodik der nichtfinanziellen Kennzahlen 2024
In der kommenden Berichtsperiode wird überprüft, welche mittel- und langfristigen Massnahmen die Neueinstufung (gemäss «WWF Water Risk Filter») der Risikogebiete und ihrer Produktionsstätten zur Folge hat.
Weiterhin sind erste Schritte zur Verbesserung der Datenlage gemäss den Anforderungen der GRI-Standards 2021 geplant. Im Hinblick auf das übergeordnete Verständnis, dass Wasserverbrauch das Ergebnis von Wasserentnahme minus Wasserrückführung ist, plant Emmi ab 2026 die Daten zur Wasserrückführung gruppenweit zu erheben.