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3.8 Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz

Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz umfassen bei Emmi alle Massnahmen, die zu sicheren und gesundheitsfördernden Arbeitsbedingungen beitragen. Alle Mitarbeitenden (inklusive solche von Drittfirmen) sollen ihre Tätigkeiten ohne Gefahren für ihre Gesundheit, ohne Unfälle oder Verletzungen erfüllen können. Gesundheitsschutz schliesst eine ausgewogene Work-Life-Balance ein und unterstützt die mentale Gesundheit.

3.8.1 Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft sowie Chancen und Risiken für Emmi

Emmi nimmt die Verantwortung für die Sicherheit und Gesundheit der in der Gruppe beschäftigten Menschen sehr ernst. Dennoch können die Geschäftstätigkeiten Auswirkungen auf die körperliche und geistige Gesundheit der Mitarbeitenden haben. Bedeutende Risiken für die physische Gesundheit der Mitarbeitenden sind mögliche Verletzungsgefahren wie beispielsweise beim Bedienen von Maschinen, durch Lärmbelastung oder das Arbeiten in verschiedenen Temperaturbereichen. Unabhängig von der Art des Arbeitsplatzes kann die Arbeit in einigen Fällen zu psychischen Belastungen führen, dies beispielsweise aufgrund des menschlichen Umfelds, der bestehenden Rahmenbedingungen oder der zu leistenden Arbeit. Unfall- oder krankheitsbedingte Ausfälle oder Leistungsminderungen können die Funktionsfähigkeit des Unternehmens beeinträchtigen. Neben den gesundheitlichen Risiken bergen schwerwiegende Vorfälle oder nachweisbare Verfehlungen des Unternehmens Prozess- und Reputationsrisiken.

Durch die Implementierung von Arbeitsschutzmassnahmen sowie einer Förderung von umweltfreundlichen Praktiken, wie z. B. die Reduktion von Schadstoffen und Abfällen, erreicht Emmi eine erhöhte Arbeitssicherheit und einen besseren Gesundheitsschutz, was zu weniger Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten führt. Ein sicherer und gesunder Arbeitsplatz erhöht die Zufriedenheit und Motivation der Mitarbeitenden. Diese Stärkung des allgemeinen Wohlbefindens und der Gesundheit der Arbeitnehmenden führt zu einer höheren Produktivität. Schlussendlich bedeuten weniger Unfälle und Krankheiten – und damit weniger Arbeitsausfälle von Mitarbeitenden – geringere Kosten für Emmi sowie für das Gesundheitssystem, was wiederum zu einer stabileren Wirtschaft beiträgt.

3.8.2 Managementansatz und Ziele

Präventionsmassnahmen im Fokus

Emmis Sicherheitsphilosophie verfolgt den Ansatz, dass alle Mitarbeitenden nach der Arbeit wieder sicher und gesund nach Hause kommen. Zur Erreichung des übergeordneten Ziels, keine betrieblichen Unfälle zu verzeichnen, legt Emmi den Fokus im Sicherheitsmanagement auf die Prävention. Es werden vorbeugende Massnahmen zur Vermeidung von möglichen Arbeitsunfällen oder gesundheitlichen Beeinträchtigungen getroffen, insbesondere durch Richtlinien und Angaben für ein bewusstes und korrektes Verhalten gemäss dem Sicherheitsmotto «Stay-Think-Act / Stoppen-Denken-Handeln».

Übergeordnete Zielsetzung – lokale Verantwortlichkeit

Das Gesundheits- und Sicherheitsmanagement ist für Emmi von strategischer Bedeutung, weswegen die Konzernleitung die langfristige Reduktion von Vorfällen (Kennzahlen siehe unten) als übergeordnetes Ziel vorgegeben hat. Dieser strategischen Ausrichtung der Gruppe folgend, liegt die Umsetzungsverantwortung bei den Länderorganisationen. Dazu werden in den lokalen Arbeitssicherheitsorganisationen entsprechende Massnahmen und Programme erarbeitet und umgesetzt. Das Themengebiet rund um die Gesundheit am Arbeitsplatz wird von HR betreut und Massnahmen in Abstimmung mit den Arbeitssicherheitsorganisationen geplant und implementiert.

Emmis Gesundheits- und Sicherheitsmanagement bewirtschaftet ein umfangreiches Kennzahlensystem, um Verbesserungspotenziale zu identifizieren und die Wirksamkeit der getroffenen Massnahmen zu überprüfen. Vorfälle und Beinahe-Ereignisse werden analysiert. Das Sicherheitsmanagement wird basierend auf diesen Erkenntnissen sofern nötig angepasst und verbessert. Der gruppenweite Wissenstransfer zu Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz wird u. a. laufend mittels SharePoint, mit sechs Calls pro Jahr in der sogenannten «Health & Safety-Community» sowie mehreren Austauschmeetings sichergestellt.

Gesetze und Verordnungen bilden verbindliche Grundlagen

Die Grundlagen für das Gesundheits- und Sicherheitsmanagement bei Emmi sind Gesetze, Verordnungen und privatrechtliche Vereinbarungen. Für alle Emmi Standorte und Tochtergesellschaften gelten die folgenden Prinzipien:

Darüber hinaus sind die Arbeitssicherheitsorganisationen an den Standorten in Pamplona (Spanien), Gattico, Lasnigo und Pero (Italien) sowie Mahdia (Tunesien) gemäss ISO 45001 zertifiziert. In der Schweiz findet eine jährliche externe Überprüfung des Arbeitssicherheitssystems durch den Zertifizierungspartner statt, das den Vorgaben von ISO 45001 entspricht, jedoch nicht zertifiziert ist.

Umgang mit Gesundheitsdaten

Die als sehr sensibel eingestuften Gesundheitsdaten der Mitarbeitenden werden gemäss den geltenden länderspezifischen Datenschutzverordnungen (z. B. Datenschutzgesetz (DSG) Schweiz oder Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der EU) bearbeitet. In internen Datenschutzerklärungen wird dies länderspezifisch verbindlich geregelt.

Mitarbeitendenbeteiligung, Konsultation und Kommunikation

Emmi evaluiert ihr Sicherheitsmanagement risikobasiert mit Audits. In diesen werden Systeme, Verfahren, Prozesse und Produkte überprüft sowie die Erfüllung von Vorgaben und Nachweisen beurteilt. Die Audits sind Bestandteil unseres kontinuierlichen Verbesserungsprozesses und werden durch interne und externe Stellen durchgeführt.

In der sogenannten «Health & Safety-Community» präsentieren die globalen H&S-Verantwortlichen relevante Themen für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz. Daneben werden Ereignisse und Vorfälle thematisiert, um so wichtige Erkenntnisse und geeignete Massnahmen im Rahmen des kontinuierlichen Verbesserungsprozesses zu multiplizieren.

Schulungen und Auffrischungskurse

Mit dem Ziel der Gesundheitsförderung der Mitarbeitenden werden entsprechende Einführungsprogramme sowie gesetzlich vorgeschriebene Schulungen realisiert. Für besonders risikoreiche Tätigkeiten wie beispielsweise Arbeiten in der Höhe, in Tanks oder den Umgang mit Transportmitteln werden definierte Auffrischungskurse durchgeführt.

Weitere Kurse und Trainings rund um die Arbeitssicherheit betreffen die Betriebssanität, Erste Hilfe, Evakuationstrainings, die korrekte Nutzung von Steighilfen oder das Verhalten im Verkehr. Verschiedene weitere Trainingsangebote zielen auf die Gesundheitsförderung ab. So werden beispielsweise Schulungen zur gesundheitsorientierten Führung oder Trainings zur Verbesserung der eigenen Resilienz angeboten.

Förderung der allgemeinen Gesundheit

In der Schweiz werden die Führungskräfte von Emmi durch verschiedene Excellent-Leadership-Programme zu einer gesundheitsorientierten Führung befähigt. Den Mitarbeitenden selbst werden diverse Lernmodule z. B. zur Stärkung der Resilienz oder zum Umgang mit Stress angeboten. Über regelmässige Publikationen werden die Mitarbeitenden zudem für gesundheitsrelevante Themen sensibilisiert. Ausserdem unterstützt Emmi regelmässig die Teilnahme an Sportaktivitäten wie z. B. Bike to Work oder Laufveranstaltungen. Neben den lokal vorhandenen Massnahmen werden in den internationalen Gesellschaften sukzessive die in der Schweiz vorhandenen Schulungsprogramme angewendet. Dazu werden alle Managementteams jährlich im Rahmen von gruppenweiten Funktionsmeetings im Excellent-Leadership-Programm durch das HR weitergebildet.

Vermeidung von Risiken und Abmilderung von Auswirkungen in der Lieferkette

Im Rahmen der Lieferantenbewertung wird abgefragt, ob der Lieferant die Kriterien zur Arbeitssicherheit und Gesundheit erfüllt und seine Verantwortung diesbezüglich wahrnimmt. Konkret wird nach einer Zertifizierung nach OHSAS 18001 oder ISO 45000 gefragt. Wenn dies nicht gegeben ist, wird die Beantwortung von acht spezifischen Fragen eingefordert.

So kann das Risiko von Arbeitsbedingungen, welche die Arbeitssicherheit und den Gesundheitsschutz in der Lieferkette verletzen, reduziert werden. Zusätzlich werden die Lieferanten von Emmi angehalten, den Verhaltenskodex für Lieferanten zu unterschreiben. Wenn ein Lieferant den Kodex nicht anerkennt, entscheidet ein Experten-Komitee bestehend aus Vertretern von Qualität, Nachhaltigkeit, Rechtsabteilung und Einkauf über das weitere Vorgehen, wobei ein Abbruch der Zusammenarbeit die «Ultima Ratio» darstellt. Die Einhaltung wird wie alle anderen Nebenbedingungen zur Leistung im Rahmen von regulären Lieferanten-Audits überprüft (vgl. Kapitel «Verantwortungsvolle Beschaffung»).

Zielsetzungen im Bereich Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz bis 2027

Als Hauptkennzahl auf Gruppenebene orientiert sich die Emmi Gruppe an der sogenannten TIFR (Total Incident Frequency Rate). Zur Berechnung der TIFR wird die Anzahl der nachfolgenden Ereignisse addiert und im Verhältnis zu einer Million geleisteter Arbeitsstunden dargestellt:

Die Zielsetzung bis 2027 sieht für die Emmi Gruppe eine signifikante Reduktion der TIFR auf einen Wert von weniger als zehn Ereignissen pro eine Million geleisteter Arbeitsstunden vor.

Die operativen Zielsetzungen pro Standort werden jährlich in Abhängigkeit der lokalen Ausgangslage (Prozessrisiken, technische Sicherheit der Anlagen, Sicherheitskultur, gesetzliche Anforderungen) definiert.

3.8.3 Entwicklungen im Berichtsjahr

Division Schweiz – Sicherheitskultur

In der Division Schweiz wurde die Sicherheitskultur im Berichtsjahr erstmals mit der Health-and-Safety-GAP-Analyse bewertet. Zur Stärkung der Sicherheitskultur in der Unfallprävention wurde ein Konzept zur verstärkten Mitwirkung der Führungskräfte und Mitarbeitenden durch spezifische Verhaltensziele über das gesamte Supply Chain Management (SCM) Schweiz erstellt. Aus diesem Konzept wurden im Bereich Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz spezifische Verhaltensziele für die Standorte sowie für übergreifende Funktionen definiert. An einem SCM-Kadertag gaben die Führungskräfte ihr Bekenntnis zu den definierten Verhaltenszielen ab. Die Umsetzung erfolgt integriert in den Health and Safety Roadmaps der Standorte und mit expliziten Massnahmen.

Kaiku Pamplona – FeelSafe

In Pamplona, Spanien, wurden im Rahmen des FeelSafe-Projekts die Mitarbeitenden sensibilisiert, um die Arbeitsplätze sowie das sicherheitsbewusste Verhalten zu verbessern und so eine nachhaltige Reduzierung der Arbeitsunfälle zu ermöglichen. In diesem Rahmen wurde ein neuer Führungsstil und ein gesundheitsbewusster Ansatz für alle Mitarbeitenden entwickelt und umgesetzt. Dadurch reduzierte sich die TIFR um 87 % gegenüber Vorjahr.

Quillayes Surlat – zwei Kampagnen und ein neues digitales Tool

Folgende drei Aktivitäten im Bereich Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz wurden in der Tochtergesellschaft Quillayes Surlat, Chile, im Berichtsjahr durchgeführt:

EDUSA – «SMETA-geprüfte Betriebe»

Emmi Dessert USA hat an der Umsetzung und Verbesserung der Sicherheitsstandards gearbeitet, um die SMETA-Vorgaben zu erfüllen (Sedex Membership Ethical Trade Audit). Ziel des SMETA-Audits ist es, die Arbeits-, Gesundheits- und Sicherheits-, Umwelt- und ethischen Praktiken zu verstehen und zu verbessern. Sie tragen dazu bei, Arbeitende vor unsicheren Bedingungen, niedriger Bezahlung, Diskriminierung und Zwangsarbeit zu schützen. Im Nachgang zur Überprüfung aller Einrichtungen im Berichtsjahr wurden mehrere Projekte zur Verbesserung der Mitarbeitersicherheit durchgeführt, von Mitarbeiterschulungen bis hin zu physischen Verbesserungen der Einrichtungen, wie z. B. der Notausgänge oder die Verbesserung der Erste-Hilfe-Kästen.

Cypress Grove Chevre – «Frühinterventionsprogramm»

Zu Beginn des Jahres führte das Cypress-Grove-Sicherheitsteam (USA) ein Programm zur Frühintervention ein, das den Mitarbeitenden ermöglicht, bei den ersten Anzeichen von haltungsbedingten Schmerzen, einen Physiotherapeuten oder eine Physiotherapeutin aufzusuchen. Mit den Bemühungen, das Bewusstsein für ergonomisches Arbeiten bei den Mitarbeitenden zu schärfen, Warnsignale früher zu erkennen und allgemeiner Ermutigung, sich aktiver um Gesundheit und Wohlbefinden zu kümmern, konnte die Anzahl der Tage mit Arbeitseinschränkungen um 75 % und die Anzahl der Tage mit Arbeitsausfällen um 50 % gesenkt werden. Insgesamt konnten so TIFR-relevante Ereignisse um 33 % gesenkt werden.

Emmi Roth USA – «Prozessverbesserung»

Am Standort von Emmi Roth in Platteville, USA, gab es im Jahr 2023 fünf medizinische und sieben Erste-Hilfe-Behandlungen beim Arbeitsschritt Käseentnahme, der während des Säuerungsprozesses in den Formen kleben blieb. Die Lösung bestand darin, einen Prozessschritt in den Säuerungsprozess einzuführen, um den Käse in den Formen zu drehen, um die Oberflächenspannung zu brechen und so die Käseentnahme zu erleichtern. Im Jahr 2024 gab es aufgrund der ergriffenen Massnahmen keine medizinischen oder Erste-Hilfe-Behandlungen im Zusammenhang mit dem Festkleben von Käse in den Formen.

Kein betrieblicher Todesfall und Rückgang der arbeitsbedingten Verletzungen

2024 waren 99 % der Mitarbeitenden von einem Managementsystem für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz abgedeckt (2023: 99 %).

Die häufigsten arbeitsbedingten Verletzungen sind Finger-, Fussgelenks-, Knie- und Augenverletzungen. Im Jahr 2024 lag die TIFR bei 21.0 (Vorjahr: 24.0) und es gab keine Todesfälle (Vorjahr: 0). Im Berichtsjahr war damit ein erfreulicher Fortschritt bei der TIFR zu verzeichnen, von der Zielerreichung (unter 10 bis 2027) ist Emmi jedoch noch deutlich entfernt.

Arbeitsbedingte Verletzungen

2024 a)

2023

2022 a)

Alle Angestellten 1)

 

 

 

Anzahl der Todesfälle aufgrund arbeitsbedingter Verletzungen

0

0

0

Rate der Todesfälle aufgrund arbeitsbedingter Verletzungen

0 %

0 %

0 %

Anzahl der arbeitsbedingten Verletzungen mit schweren Folgen (mit Ausnahme von Todesfällen)

35

24 2)

0

Rate der arbeitsbedingten Verletzungen mit schweren Folgen (mit Ausnahme von Todesfällen)

0.4 %

0.3 % 2)

0 %

Anzahl der dokumentierbaren arbeitsbedingten Verletzungen

388

388

340

Rate der dokumentierbaren arbeitsbedingten Verletzungen

4.1 %

4.2 %

3.8 %

Anzahl der gearbeiteten Stunden

17’562’439

18’633’436 b)

4’500’000 3)

 

 

 

 

Arbeitsbedingte Erkrankungen

2024

2023

2022 a)

Alle Angestellten 1)

 

 

 

Anzahl der Todesfälle aufgrund arbeitsbedingter Erkrankungen

0

0

0

a) Inklusive Gläserne Molkerei (2023 veräussert), aber ohne Emmi Dessert USA (Daten ab 2023 verfügbar).

b) Ohne Emmi UK.

1) Ohne Auszubildende, Praktikanten und Trainees.

2) Neudarstellung aufgrund neuer Daten- und Berechnungsgrundlage.

3) Nur Daten für die Division Schweiz verfügbar.

3.8.4 Ausblick

Um die TIFR weiter zu reduzieren, wird Emmi den Fokus auf spezifische Massnahmen in den Bereichen Schulung und Sensibilisierung, Gefährdungsbeurteilung, ergonomische Arbeitsplatzgestaltung, Analyse von Ereignissen und Einbezug der Mitarbeitenden in die gemeinsame Entwicklung der Sicherheitskultur durch sicherheitsorientiertes Verhalten legen. Die Vorbildfunktion und Unterstützung der Führungskräfte spielen weiterhin eine zentrale Rolle.